Südwest Presse: KOMMENTAR zu AI WEIWEI Ausgabe vom 22.07.2015

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KOMMENTAR zu AI WEIWEI

Gegen 10 Uhr hat Ai Weiwei gestern ein Selfie im Internet
veröffentlicht, das nicht nur die Kunstwelt aufatmen ließ. Es zeigt
ihn, einen Pass der Volksrepublik China in die Kamera haltend. Da war
klar: Der in den Sozialen Medien überaus aktive und allen bisherigen
Restriktionen zum Trotz weltweit stets präsente chinesische Künstler
und Aktivist darf wieder reisen. Nach vier Jahren Hausarrest in
Peking, der erst jüngst etwas gelockert worden war. Immer wieder
hatte es in der Zeit nach seiner Verhaftung und 81-tägigen
Verschleppung durch Behörden seines Heimatlandes 2011 geheißen, der
57-Jährige komme zu dieser oder jener Ausstellungseröffnung oder
Filmpremiere in den Westen. Zuletzt hoffte Amnesty International, ihm
Ende Mai persönlich die Auszeichnung als „Botschafter des Gewissens“
in Berlin übergeben zu können. Vergeblich. Jetzt keimt die Hoffnung
erneut auf, scheinbar berechtigter denn je: an der Berliner
Universität der Künste, die ihn bereits vor der nun wohl aufgehobenen
Reisesperre zum Gastprofessor ernannt hatte; an der Londoner Royal
Academy of Arts, die diesen großen, gewichtigen Konzeptkünstler für
September zur Eröffnung einer großen Einzelausstellung erwartet. Doch
Menschenrechtler warnen zu Recht: Ein Pass macht noch keine echte
Bewegungsfreiheit. Zwar hatte sich das Verhältnis zwischen dem
beständigen Regierungskritiker und den Behörden zuletzt wohl
gebessert – wobei Ai nicht vorzuwerfen ist, er sei milde oder
angepasst geworden -, aber dafür wird derzeit der Druck auf andere
Verfechter der Menschenrechte in China massiv erhöht. Jüngst wurden
mehr als 200 von ihnen verhaftet.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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