Südwest Presse: KOMMENTAR zu RÜCKTRITT Ausgabe vom 18.09.2015

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KOMMENTAR zu RÜCKTRITT

Ausgabe vom 18.09.2015 Mitten in der Flüchtlingskrise nimmt der
zuständige Behördenchef seinen Hut. Dass Manfred Schmidt für den
Abschied aus dem Nürnberger Bundesamt persönliche Gründe geltend
macht, lässt Raum für allerlei Mutmaßungen. Fest steht: Die
Asylbürokratie war auf den Ansturm der letzten Monate so wenig
vorbereitet wie die verantwortliche Politik – der Apparat erwies sich
als überfordert, was allerdings nicht bedeutet, dass die Beamten ihre
Pflicht vernachlässigt hätten. Schmidt selbst jedenfalls konnte sein
Image als erfahrener Krisenmanager in diesem Job nicht bestätigen.
Vielmehr ist er durch den Antragstau in seinem Bundesamt zum
willkommenen Sündenbock geworden. Doch als allein Schuldiger taugt
der Amtsleiter nicht. Zu spät wurde der Personalengpass in der
Behörde erkannt und der Ruf nach mehr Stellen erhört. Das
Missmanagement in der Flüchtlingspolitik hat seinen Ursprung in
Berlin. Damit richtet sich der Scheinwerfer – wieder mal – auf Thomas
de Maiziere. Wie schon im Verteidigungsministerium unterlaufen ihm
auch im Innenressort erstaunlich viele Fehler, seine vorausschauende
Planung weist erschreckende Lücken auf. So sieht es nicht nur die
Opposition, selbst in der Union braut sich seit langem Ärger über den
Vertrauten der Kanzlerin zusammen. Wie lange Angela Merkel ihren
einstigen Hausmeier noch halten wird, ist deshalb eine immer
drängendere Frage.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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