Südwest Presse: Leitartikel: Champions League

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In einem Interview mit dem Kölner Express explodierte
Ex-Trainer Jupp Heynckes unlängst. „Der Fußball ist aus den Fugen
geraten. Er hat seine Seele verkauft“, schimpfte der 71-Jährige.
Freiburgs Trainer Christian Streich, bei Themen wie Geld und Fußball
eher keiner, der nach vorne prescht, warnte eindringlich: „Schützt
den Fußball vor der vollständigen Kommerzialisierung.“ Die Sorge ist
nachvollziehbar, die Analyse einfach: Die kürzlich beschlossenen
Reformen der Fußball-Champions-League, die ab 2018 greifen sollen,
erwecken in erster Linie den Eindruck, dass globale Markt- und
Finanzinteressen zum alleinigen Steuerungsinstrument im Fußball
geworden sind. Auf europäischer Fußball-Ebene kann sich der pure und
ungehemmte Kapitalismus entwickeln, reguliert wird immer weniger. Die
reichen und erfolgreichen Klubs bekommen noch mehr Geld und freuen
sich jetzt schon auf die Eigendynamik, die daraus entsteht. Das
bedeutet: noch mehr Geld. Der Rest darf sich in den nationalen Ligen
âEUR¯austoben, wird aber damit leben müssen, immer mehr von Klubs wie
dem FC Bayern, Manchester City, Manchester United, Real Madrid oder
dem FC Barcelona abgehängt zu werden. Was plant der europäische
Fußball-Verband (Uefa)? Die Uefa rechnet in den nächsten Jahren mit
Einnahmen in Höhe von rund 3,2 Milliarden Euro. Aktuell fließen pro
Saison 2,35 Milliarden in die Uefa-Kasse, die in den Klubwettbewerben
erwirtschaftet werden. Von den aktuell 2,35 Milliarden Euro bekommen
die Klubs in der „Königsklasse“ âEUR¯rund 1,3 Milliarden ausgezahlt.
Nach dem neuen Verteilungsschlüssel, in dem auch bisherige
europäische Triumphe mit eingerechnet werden sollen, würde zum
Beispiel der letztjährige Champions-League-Halbfinalist FC Bayern
seine Einnahmen rund verdoppeln auf 108 Millionen Euro. âEUR¯Zudem
erhalten die vier Top-Nationen vier feste Startplätze in der
Gruppenphase der Champions League. Neue Anstoßzeiten, bisher 20.45
Uhr, dann 19 und 21 Uhr, sind ebenfalls wahrscheinlich. Treibende
Kraft dieser Umwälzungen ist Karl-Heinz-Rummenigge, der Vorstandschef
des FC Bayern, der zudem Chef der European Club Association (ECA)
ist, der Vereinigung europäischer Klubs. Der Ex-Profi, der auch schon
einmal öffentlich von einer eigenen europäischen Superliga geträumt
hat, ignoriert die kritischen Stimmen aus der Bundesliga. Es sei
keine Revolution, sondern eine Evolution, und er sei „sehr zufrieden“
über die Modifizierungen. Klar, aus Rummenigges Sicht, der in den
vergangenen Jahren auch immer wieder beklagt hat, wie wenig Geld die
deutschen Klubs im Vergleich zu anderen Ligen alleine aus den
TV-RechtenâEUR¯ bekommen würden, läuft es wie geschmiert mit der
Uefa. Die ist wegen der Causa Michel Platini, dem gefallenen
Uefa-Präsidenten, ohnehin angeschlagen. Unverständlich ist, wie
jemand wie der Bayern-Boss, der sonst bei jeder Gelegenheit betont,
wie wichtigâEUR¯ Tradition und die nationale Verwurzelung der Klubs
sei, die Interessen seines KlubsâEUR¯ dermaßen in den Vordergrund
rücken darf, ohne Kritik en masse zu ernten. Der Fußball steuert
durch die neuen und einseitig gelenkten Geldströme auf einen
Scheitelpunkt zu. Und der Fußball-Fan hat das mulmige Gefühl, dass
dieses Mal der Schuss nach hinten losgeht. Dass sich der
FußballâEUR¯in die falsche Richtung entwickelt. Dass die
Unvorhersehbarkeit des Resultates, die zu einem großen Teil den Reiz
dieses Spiels ausmacht, durch ökonomische Interessen zumindest
reduziert wird. Es bedarf neuer Regularien, sonst geht der Fußball
den Bach runter.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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