Südwest Presse: Leitartikel: E-Mobilität

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Pioniere haben–s häufig schwer. Wer heute mit einem
Elektroauto auf eine Fernfahrt gehen will, muss das selbst bei einem
Fahrzeug mit verhältnismäßig hoher Reichweite genau planen. Zumindest
wenn unter der Haube kein Hybridmotor schlummert, der zur Not
einspringen kann, wenn die Batterien leer sind. Insbesondere
Schnellladestationen, an denen während einer Pause rasch neue Energie
gezapft werden kann, sind rar. Noch taugen die meisten E-Autos
hauptsächlich für Stadtfahrten und Pendler. Auch die sollten sich
nicht darauf verlassen, dass sie mit einer Batterieladung so weit
kommen, wie der Hersteller verspricht. Kein Wunder, dass die
Fahrzeuge noch keine Verkaufsrenner sind. Das dürfte die Prämie von
bis zu 4000 Euro nicht so schnell ändern, die mancher zum
Patentrezept für eine rasche Verbreitung der Autos mit dem Antrieb
der Zukunft erklärt hatte. Die Deutschen sind zwar Schnäppchenjäger,
wie die Abwrackprämie 2009 gezeigt hat, aber auch Realisten. Doch der
Klimawandel nimmt darauf keine Rücksicht. Wenn der Verkehr spätestens
2050 treibhausgasneutral laufen soll, wie es die Verpflichtungen des
Pariser Klimaschutzabkommens vorsehen, müssen wir schon bald mit der
Wende beginnen. Denn neue Pkw haben eine durchschnittliche
Lebensdauer von etwa 15 Jahren, und der Wandel geht nicht über Nacht.
Nicht ohne Grund überlegen die Norweger, schon ab 2025 keine neuen
Benzin- und Dieselautos mehr zuzulassen. Mit Blick auf Deutschland
sind mindestens zwei Dinge zu bedenken: Die Norweger gewinnen ihren
Strom fast ausschließlich aus Wasser und Wind, was trotz aller
Fortschritte hierzulande noch anders aussieht. Zudem wäre es nicht
gut, sich nur auf eine Antriebstechnik zu verlassen. Wer weiß schon,
wie sich die Speicherfähigkeit, das Gewicht und die Kosten von
Batterien im nächsten Jahrzehnt entwickeln. Andere Techniken wie die
Brennstoffzelle könnten sich als zukunftsträchtiger erweisen,
obgleich sie bisher viele Erwartungen enttäuscht hat. Auch sie
braucht eine eigene Infrastruktur mit Wasserstoff- oder
Methanoltankstellen, und diese Treibstoffe müssen ebenfalls erst
einmal klimaneutral hergestellt werden. Ein wichtiger Faktor ist,
dass bereits die Produktion der Fahrzeuge und der Batterien die
Umwelt belastet. Zudem werden Stoffe wie Seltene Erden benötigt, die
– wie der Name sagt – selten sind und die oft aus Gegenden stammen,
die politisch instabil sind. Was hilft die beste Technik, wenn sie
sich nicht in Großserie produzieren lässt. Leicht vergessen wird der
Güterverkehr, der besonders stark wächst. Elektroantriebe mit
Batterien eignen sich für Busse und Lieferfahrten. Im Fernverkehr
wären sie auf absehbare Zeit viel zu schwer. Daher wird überlegt,
Autobahnen mit Oberleitungen für Hybrid-Lkw auszustatten, was unter
anderem gewaltige Investitionen erfordern würde. Alle Überlegungen
zum Antrieb der Zukunft müssen zudem den großen Wandel im
Individualverkehr berücksichtigen, in dem wir stecken. Carsharing
wird in Großstädten immer mehr als Alternative zum eigenen Auto
genutzt. Hinzu kommt das autonome Fahren, das die Nutzung
revolutionieren könnte. Das zeigt: Das Elektroauto ist nur ein
Baustein im Konzept für die Mobilität von morgen und übermorgen. Die
Schwierigkeit für alle Beteiligten, insbesondere die Industrie, ist
es, aufs richtige Pferd zu setzen. Zumal gerade das Autofahren nicht
nur eine rationale Sache ist, sondern viel mit Emotionen zu tun hat,
von der viel beschworenen Freude am Fahren bis zur Freiheit durch
Mobilität. Ein weites Feld.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

Original-Content von: S?dwest Presse, übermittelt durch news aktuell

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