Südwest Presse: LEITARTIKEL · ELEKTROAUTOS

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Neue Konzepte gefragt

Sonne tanken hat ein Discounter künftig im Angebot: Besitzer von
Elektroautos können ihr Gefährt während des Einkaufs auf dem
Parkplatz aufladen, und das kostenlos. Den Strom liefert
umweltfreundlich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Erst einmal
werden 50 Standorte mit Schnellladesäulen ausgestattet. Wieder ein
Bausteinchen auf dem mühsamen Weg, die Elektromobilität in
Deutschland attraktiver zu machen. Wenn sich Industrie und Politik
von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar
Gabriel abwärts heute in Berlin zur Nationalen Konferenz
Elektromobilität treffen, dann dürften sie sich mit solch
bescheidenen Fortschritten Mut zusprechen. Den können sie dringend
brauchen. Denn bisher kommen Elektroautos als Zukunftstechnik nicht
so recht in Fahrt. Selbst einschließlich der mit Stecker aufladbaren
Hybridfahrzeuge waren Anfang des Jahres weniger als 30 000 Fahrzeuge
in Deutschland zugelassen. Nach den hochtrabenden Plänen sollten es
eigentlich 100 000 sein. Das eine schlechte Basis für das Ziel von
einer Million Elektroautos, die 2020 in Deutschland zugelassen sein
sollten. Derzeit entfällt auf sie nicht einmal ein Prozent der
Neuzulassungen. In Norwegen sind es 22 Prozent – dank massiver
Subventionen. Schon die Anschaffung ist dort von der 25-prozentigen
Mehrwertsteuer befreit, es gibt weder Zulassungsgebühren noch
Importabgaben, dafür freie Fahrt an allen Mautstationen. Die
Förderung ist so erfolgreich, dass sie schon wieder eingeschränkt
werden soll. Dabei ist die Autoindustrie für Norwegen keine
Schlüsselbranche, im Gegensatz zu Deutschland. Die Grundidee klingt
plausibel: Um diesen Zukunftsmarkt zu besetzen, sollten die deutschen
Hersteller zu den Leitanbietern weltweit gehören. Das hatten sie erst
einmal verschlafen, aber inzwischen haben sie dank
Milliardeninvestitionen aufgeholt. Derzeit bieten sie 19 Modelle an,
bis Jahresende sollen noch zehn dazukommen. Doch um weltweit
erfolgreich zu sein, müssen die Elektroautos als erstes die
Bewährungsprobe im eigenen Land bestehen. Das Hauptproblem ist
weniger die geringe Reichweite, da ein Großteil der Fahrten auf
Kurzstrecken entfällt, sondern noch immer der Preis. Glücklicherweise
schreit die Industrie nicht nach direkten Kaufprämien, die schnell
teuer werden könnten. Dafür bittet sie geradezu flehentlich um
Sonderabschreibungen für Firmenfahrzeuge. Die kosten den Staat
letztlich kein Geld, weil die Abschreibung nach dem ersten Jahr
entsprechend niedriger ausfällt. Doch die Kanzlerin steht mit leeren
Händen da. Sie braucht die Zustimmung der Bundesländer. Leider ist
dieses Thema im großen Topf der Verhandlungen über die
Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern gelandet. Es ist
abenteuerlich, was da inzwischen alles hineingestopft wurde und eine
baldige Einigung auf vernünftige Kompromisse erschwert. Ob
Steuererleichterungen für die Elektroautos wirklich zur
Initialzündung werden können, weiß keiner mit Sicherheit. Aber sie
können zumindest ein Baustein sein. Viele weitere sind nötig,
angefangen bei den Ladesteckern, die nach wie vor nicht europaweit
einheitlich sind, bis zu einer einfachen Abrechnung mit den
Stromanbietern. Die Industrie hat größtes Interesse am Erfolg der
Elektroautos – auch weil sie nur mit ihnen die Vorgaben für den
Schadstoffausstoß ihrer Fahrzeugflotten erfüllen kann, die in den
nächsten Jahren stetig schärfer werden. Daher wird sie neue Konzepte
entwickeln müssen, damit die Verkaufszahlen steigen. Können
niedrigere Steuern eine Initialzündung sein?

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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