Südwest Presse: KOMMENTAR · NAZI-FAHNDER

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Die Zentralstelle zur Aufklärung
nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg gehört zu den
angesehensten Einrichtungen, die sich mit der braunen deutschen
Vergangenheit beschäftigen. Seit 1958 wird sie von den Bundesländern
unterhalten, mehr als 7000 Vorermittlungsverfahren hat sie
eingeleitet – und dabei der Staatsanwaltschaft oft entscheidendes
Material für eine Anklage zugeliefert. Dass sie bis in die Gegenwart
hinein unaufhörlich und ohne jede Nachsicht mutmaßliche Täter
enttarnt, die der menschenverachtenden Nazi-Ideologie zugearbeitet
haben, ist ein großes Verdienst. Mord verjährt nicht, das gilt auch
für die Beihilfe dazu. So werden nun mehrere Dutzend etwa 90-Jährige
am Ende ihres Lebens noch einmal mit ihrem Beitrag zum grenzenlosen
Grauen konfrontiert. Es ist das Mindeste, was man den Opfern
schuldet. Dennoch ist zu erwarten, dass die Ermittlungen von den
üblichen Sentimentalitäten begleitet werden: Sind diese Leute nicht
zu alt, zu gebrechlich, zu krank, als dass man ihnen noch belastende
Befragungen oder gar einen Prozess zumuten könnte? Fragen, die sich
angesichts dessen, was im größten deutschen Vernichtungslager
geschehen ist, bis heute von selbst beantworten. Sollten zuletzt
mehrere KZ-Aufseher angeklagt werden, dürften die Prozesse die
letzten ihrer Art sein. Die Erinnerung an Auschwitz aber wird
fortleben, solange wir sie pflegen.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218

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