Südwest Presse: Kommentar: Wikileaks

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KOMMENTAR · WIKILEAKS

Ohne Maßstab Hauptsache geheim. Den Aktivisten von Wikileaks,
jenen selbsternannten Hütern der Transparenz, war es stets einerlei,
ob das Material, das Informanten auf ihren Servern ablegten, von
politischer Brisanz war oder im Bereich der Banalitäten blieb. Wer
sich durch die Homepage klickte, hatte selbst zu entscheiden, was er
von dem dargebotenen Wust enthüllter Vertraulichkeit halten sollte,
der sich von diplomatischen Depeschen bis hin zu Handbüchern für
Kampfflugzeuge erstreckte. Und er konnte sich den Kopf zerbrechen, ob
jene, die Wikileaks das Material zugespielt hatten, gute
Whistleblower waren, die Skandale aufdeckten, böse Denunzianten, die
leichtfertig Menschenleben gefährdeten – oder schlicht Wichtigtuer,
die sich im Gefühl sonnten, anonym ihrem Dienstherrn oder Arbeitgeber
eins ausgewischt zu haben. Mausklicks können Menschen töten, wenn
auch indirekt. Spätestens seit gestern hat ein Spiel, das stets Ernst
war, seine Unschuld verloren. Ließ schon die Schlacht, die sich
Wikileaks-Gründer Julian Assange und Aussteiger Daniel Domscheit-Berg
um angeblich gestohlene Daten lieferten, Böses ahnen, zeigen die
jüngsten Erfahrungen: Sicher an den Daten ist allenfalls ihre
Unsicherheit – deren fatale Konsequenzen für die Bloßgestellten als
bedauerliche Kollateralschäden einer einseitig als positiv
dargestellten Transparenz verbucht werden. Doch Transparenz alleine
ist kein legitimer Maßstab. Die Verantwortung für die hässliche Seite
der Plattform auf jene zu schieben, die herhalten mussten, um
Wikileaks den Mantel des seriösen Journalismus umzuhängen, zeugt von
einer Skrupellosigkeit, die nachdenklich machen muss.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218

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