Thüringische Landeszeitung: Außer Kontrolle / Kommentar von Elmar Otto zu den „Chaostagen“ bei der AfD, wo der Bundesvorstand Thüringens Partei- und Fraktionschef Björn Höcke aller Parteiämter entheben will

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Björn Höcke wollte anders sein, sich vom
Establishment abheben. Allerdings war seine Außenwirkung gleich zu
Beginn die eines Politiknovizen mit rhetorischer Begabung, der sein
Rüstzeug in den Jugendorganisationen der doch so verdammten
„Altparteien“ gelernt hatte.

Im Landtagswahlkampf spitzte der heutige AfD-Partei- und
Fraktionschef zu, polarisierte. Da wurde Gender-Mainstreaming zur
„Geisteskrankheit“ und zu einem „Sonntagskind der Dekadenz“. Damit
hatte der äußerlich jugendlich anmutende Eichsfelder ebenso Erfolg
wie mit seinem gesellschaftlichen Leitbild der Drei-Kinder-Familie.

Doch der Mann auf historischer Mission hat die Kontrolle verloren.
Höcke gibt sich tolerant und hält die Freiheit der Meinung hoch, aber
gegen Kritiker geht er rigoros vor.

Hinzu kommt: Auch wenn die Union ausreichend Platz am demokratisch
rechten Rand lässt, und eine AfD, die sich nur wirtschaftsliberal
gibt, nicht überlebensfähig scheint – Höckes Kardinalfehler war, ob
beabsichtigt oder durch Naivität, sich bei der NPD anzubiedern. Mit
dem Satz „Ich gehe nicht davon aus, dass man jedes einzelne
NPD-Mitglied als extremistisch einstufen kann“ hat er eine Grenze
überschritten.

Wer als demokratischer Volksvertreter den Eindruck erweckt, seine
vorrangige Aufgabe sei die Resozialisierung rechtsextremer
Parteigänger, disqualifiziert sich selbst.

Pressekontakt:
Thüringische Landeszeitung
Chef vom Dienst
Norbert Block
Telefon: 03643 206 420
Fax: 03643 206 422
cvd@tlz.de

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