Thüringische Landeszeitung: Hohes Risiko – Regierungsbeteiligung für Linke schwieriger / Leitartikel von Christian Voigt zur künftigen Fraktionsspitze der Linken im Deutschen Bundestag

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Die Linke hat endlich ihr Traumpaar gefunden. Nach
der holprigen Amtszeit der Parteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst
folgten Katja Kipping und Bernd Riexinger, die nicht weniger holprig
starteten. Mit Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch sitzt künftig
auch wieder eine Doppelspitze der Fraktion vor, die sechs Jahre von
Gregor Gysi allein geführt wurde. Eine Frau und ein Mann, je ein
Vertreter für die Mitglieder aus West und Ost und zwei Repräsentanten
des linken und des Reformerflügels. Kann das funktionieren? Wohl
kaum.

Sahra Wagenknecht ist das größte Polit-Talent der Linken nach
Gregor Gysi. Wie er versteht sie es, klar Kante zu zeigen und Inhalte
ausdrucksstark auf den Punkt zu bringen. Dietmar Bartsch mimt dagegen
den Pragmatiker und erfahrenen Strategen, der versucht, die Partei zu
einen und sie vor allem regierungsfähig zu machen. In den Augen der
beiden Flügel sind sie tatsächlich die Traumbesetzung. Jedem der
beiden ist zuzutrauen, das klaffende Loch, das Gysi hinterlässt, zu
füllen. Dass sie nun zusammen funktionieren sollen, ist jedoch mit
einem hohen Risiko verbunden. Wagenknecht, die eine andere
Wirtschaftsordnung präferiert, sich selten durch Kompromissfähigkeit
auszeichnet und nicht von den diversen Haltelinien abrückt, trifft
auf Bartsch, der die Partei weitgehend öffnen möchte. – Mit keiner
anderen Besetzung hätte die innerparteiliche Zerrissenheit so
zementiert werden können. Der Plan der Reformer, am besten schon nach
der Bundestagswahl 2017 neben der SPD auf der Regierungsbank Platz zu
nehmen, ist ein rotes Tuch für Wagenknecht. Das gleiche gilt für
Auslandseinsätze der Bundeswehr. Der Erfolg hängt deshalb von
Wagenknecht ab. Aussetzer wie der nach der Entscheidung zu den
Griechenland-Hilfen im März, als sie wutentbrannt einen möglichen
Fraktionsvorsitz absagte, darf sie sich nicht mehr erlauben.

Pressekontakt:
Thüringische Landeszeitung
Chef vom Dienst
Norbert Block
Telefon: 03643 206 420
Fax: 03643 206 422
cvd@tlz.de

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