Todesfalle Plastikmüll: Klettereinsatz am Helgoländer Vogelfelsen / Gemeinsames Forschungsvorhaben von Greenpeace, GEO und Wissenschaftlern

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In einem gemeinsamen Pilotprojekt
seilen sich heute erstmalig Umweltaktivisten und Journalisten am
Helgoländer Lummenfelsen ab, um unter wissenschaftlicher Aufsicht
plastikverseuchte Vogelnester zu bergen. Mit dem Klettereinsatz
startet in Deutschlands kleinstem Naturschutzgebiet ein
Forschungsprojekt zu den Folgen des Plastikmülls im Meer. Am
Lummenfelsen verenden immer wieder Basstölpel und Trottellummen
qualvoll in Plastikfäden, die die Seevögel über lange Distanzen aus
dem Meer fischen und zum Nestbau verwenden. Jungvögel sind besonders
stark betroffen. Der Bestand beider Arten ist durch die
Verstrickungen nicht gefährdet, die Vögel sterben jedoch einen
langsamen und qualvollen Tod und bleiben mitunter jahrelang hängen.

Auf Initiative von Greenpeace und GEO soll untersucht werden, wie
viel und welche Art von Plastik zum Nestbau genutzt wird, woher es
stammt und ob durch menschlichen Eingriff das Vogelsterben verringert
werden kann. Dazu fehlen bislang grundlegende Daten. Die Ergebnisse
sollen zudem genutzt werden, um Ursachen des Plastikproblems am
Lummenfelsen zu bestimmen. (Forschungsfragen: http://bit.ly/1QuSaZT)
„Der Ozean ist die größte Müllkippe des Planeten“, sagt Lars
Abromeit, Redakteur für Meeresthemen und Expeditionen bei GEO. „Die
Folgen verlieren wir schnell aus den Augen, aber sie kommen zu uns
zurück. Mit unserem Pilotprojekt wollen wir darauf aufmerksam machen
und die Erforschung von Lösungsansätzen voranbringen.“

Bereits aus der Distanz fallen am Lummenfelsen bunte Plastikfäden
auf. Viele davon sind Rückstände sogenannter „Dolly Ropes“.
(Infografik: http://gpurl.de/GaDXT) Die industrielle Fischerei
verwendet diese Scheuerschutzfransen weltweit, um schwere
Grundschleppnetze vor Abnutzung zu schützen. Sie sind
Verschleißartikel und so konstruiert, dass bei Bodenkontakt einzelne
Fäden abreißen. „Mit dieser einkalkulierten, permanenten
Plastikverschmutzung verstößt die Fischereiindustrie gegen geltendes
internationales Recht“, sagt Sandra Schöttner, Meeresexpertin von
Greenpeace. „Die deutsche Politik muss dieser Praxis einen Riegel
vorschieben und Dolly Ropes verbieten. Wir brauchen einen Umstieg auf
umweltschonende, biologisch abbaubare Alternativen. Die Fischerei mit
tonnenschwerem Grundschleppgeschirr ist ohnehin zerstörerisch wie
keine andere.“

Umweltschützer und Forscher nutzen heute die Zeit außerhalb der
Brutsaison, um in einem definierten Bereich am nördlichen Teil des
Felsens an die Nester zu gelangen. Dabei sollen in einem
Teilabschnitt einige Nester geborgen, in einem weiteren sollen sie
von herausstehenden Plastikschlingen befreit werden. Ein dritter
Felsabschnitt bleibt als Referenzbereich unberührt. Die
wissenschaftliche Auswertung übernimmt eine Kooperation bestehend aus
dem Verein Jordsand, Biologische Anstalt des Alfred-Wegener-Institut
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Institut für
Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ und Forschungs- und
Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel und wird von
Greenpeace begleitet. Der Seevogelschutz liegt dem Verein Jordsand
besonders am Herzen. Auch um auf die zunehmende Vermüllung der Meere
aufmerksam zu machen, hat der Verein den Basstölpel zum Seevogel des
Jahres 2016 gekürt. „Wir hoffen durch diese Aktion auch auf neue
wissenschaftliche Erkenntnisse, um den besorgten Beobachtern am
Seevogelfelsen korrekt Auskunft geben zu können“, sagt Rebecca
Störmer, die Schutzgebietsbetreuerin des Vereins auf Helgoland.

Reporter der Henri-Nannen-Journalistenschule und der Fotograf Ralf
Gantzhorn dokumentieren die heutige Aktion. Ihr Bericht wird Anfang
2016 auf GEO.de parallel zu einem Magazinbeitrag in GEO erscheinen.

Kontakt:

Projektinitiatoren:

– Greenpeace e.V.: Dr. Sandra Schöttner, Tel. 0151-56904445
– GEO Magazin: Lars Abromeit, Tel: 0179-1042654

In Kooperation mit:

– Verein Jordsand: Dr. Rebecca Störmer, Tel: 0176-72354825
– Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“: Dr. Jochen
Dierschke, Tel. 04725-64020
– Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der
Universität Kiel: Dr. Nils Guse, Tel. 04834-604219

Fotoanfragen bitte an Greenpeace-Fotoredaktion, Tel. 040-30618 376
Presseanfragen an Greenpeace-Pressesprecherin Michelle Bayona, Tel.
0171 8780830

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