Türkei: Reporter ohne Grenzen verurteilt Übergriffe der Putschisten gegen Medien

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Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt das Vorgehen
der Putschisten in der Türkei gegen mehrere Medien. Bei dem
gescheiterten Umsturzversuch am Wochenende hatten aufständische
Soldaten die Sitze mehrerer wichtiger Medienhäuser besetzt.

„Die führenden türkischen Nachrichtenmedien haben während des
versuchten Putschs ebenso wie wie viele mutige Bürger gezeigt, dass
sie auf der Seite der Demokratie stehen“, sagte ROG-Geschäftsführer
Christian Mihr. „Die türkische Regierung sollte dies sorgsam
registrieren und aufhören, kritische Journalisten als Verräter und
Terroristen zu behandeln. Die tiefe Spaltung der türkischen
Gesellschaft wird sich nur überwinden lassen, wenn dabei Grundrechte
wie die Pressefreiheit respektiert werden.“

In der Nacht auf Samstag hatten aufständische Soldaten gegen
Mitternacht die Studios der staatlichen Rundfunkanstalt TRT gestürmt.
Sie zwangen die Moderatorin Tijen Karas, eine Erklärung der
Putschistenführung zu verlesen, und unterbrachen dann das Programm
(http://t1p.de/dgvs). Auch der Sitz der kemalistischen
Dogan-Mediengruppe in Istanbul wurde von Soldaten gestürmt; zu ihr
gehören wichtige Medien wie die Fernsehsender CNN Türk und Kanal D
sowie die Tageszeitung Hürriyet (http://t1p.de/kr6f,
http://t1p.de/f1ij). Nach heftigen Wortwechseln mit den Soldaten
wurden die Journalisten mit vorgehaltenen Waffen gezwungen, ihre
Redaktionen zu verlassen, und der Sendebetrieb wurde eingestellt.

Ähnliche Szenen spielten sich beim Satelliten- und
Kabelfernsehanbieter Digiturk ab. Die Polizei brachte anschließend
alle besetzten Medienhäuser unter ihre Kontrolle, verhaftete die
aufständischen Soldaten dort und ließ die Journalisten und
Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

EIN FOTOGRAF ERSCHOSSEN, ZWEI REPORTER VON DEMONSTRANTEN
ANGEGRIFFEN

Der Fotograf Mustafa Cambaz von der Zeitung Yeni Safak wurde von
Soldaten erschossen, die auf eine Menschenmenge in Istanbul feuerten.
Zuvor hatte er per Twitter zum Protest gegen den Putschversuch
aufgerufen (http://t1p.de/ot96).

Selcuk Samiloglu, Istanbul-Korrespondent der Zeitung Hürriyet, und
CNN-Türk-Reporter Kenan Sener in Ankara wurden von
Regierungsanhängern angegriffen, die sie offenbar wegen der
kemalistischen Ausrichtung ihrer Medien als vermeintliche
Putsch-Sympathisanten verdächtigten. Samiloglu musste anschließend im
Krankenhaus behandelt werden und berichtete, er wäre beinahe von
einer Brücke geworfen worden.

Ministerpräsident Binali Yildirim entschuldigte sich am Samstag
bei den Medien für derartige Zwischenfälle und sagte, die
Demonstranten hätten unter Stress und starken Emotionen gehandelt.

SOZIALE MEDIEN STARK VERLANGSAMT

Soziale Medien wie Twitter, Facebook und YouTube waren in der
Nacht des Putschversuchs zeitweise in der Türkei sehr verlangsamt.
Twitter und Fachdienste wie Dyn Research vermuteten als Grund eine
absichtliche Drosselung durch türkische Stellen (http://t1p.de/3a0j,
http://t1p.de/pdz5). Zensur und Einschränkungen sozialer Medien sind
in der Türkei in der Vergangenheit oft vorgekommen. Präsident Recep
Tayyip Erdogan hat sich wiederholt sehr kritisch über soziale Medien
geäußert, nutzte sie in der Putschnacht aber selbst, um seine
Anhänger zum Widerstand gegen die Aufständischen aufzurufen.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die Türkei auf Platz
151 von 180 Staaten. Weitere Informationen zur Lage der
Pressefreiheit in dem Land finden Sie unter
www.reporter-ohne-grenzen.de/türkei/. Der jüngste
Türkei-Länderbericht von Reporter ohne Grenzen steht unter
http://t1p.de/g9ns zum Download bereit.

Zur Protestmail-Aktion gegen die juristische Verfolgung des
ROG-Türkeikorrespondenten Erol Önderoglu geht es unter
www.reporter-ohne-grenzen.de/mitmachen/erol-oenderoglu/, zur Aktion
für die in erster Instanz verurteilten Cumhuriyet-Journalisten Can
Dündar und Erdem Gül unter
https://www.reporter-ohne-grenzen.de/mitmachen/duendar-guel/.

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de/presse
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

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