Umweltbundesamt: Bundesregierung ignoriert Krankheitslast durch Autoabgase / „Report Mainz“,6.10.2015, 21.45 Uhr im Ersten (FOTO)

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Das bundeseigene Umweltbundesamt wirft der Regierung schwere
Versäumnisse im Kampf gegen schädliche Diesel-Abgase vor. Diese habe
seit langem gewusst, „dass das, was auf der Straße passiert, nicht
mit dem übereinstimmt, was im Testbetrieb passiert“, so Andreas Gies,
Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, im Interview mit „Report Mainz“.
Diesel-Abgase, insbesondere Stickstoffdioxid, könnten vor allem
Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Lungenkrebs begünstigen.

„Ich glaube, wir sind im Moment dabei als Bundesregierung, eine
Krankheitslast durch den Verkehr zu tolerieren. Ich denke, dass wir
uns klar sein müssen, dass wir eine Erhöhung der Sterblichkeit
tolerieren. Es ist hier eine größere Krankheitslast toleriert worden,
als es möglich gewesen wäre, wenn man nachgesetzt hätte in dem
Moment, wo man die Diskrepanzen zwischen Realität und Testbetrieb
erkannt hätte“, so Andreas Gies.

Diese Diskrepanzen beim Abgasausstoß sind der Bundesregierung
schon seit längerem bekannt. In der schriftlichen Antwort auf eine
Anfrage von „Report Mainz“ räumt die Bundesregierung ein, dass sie
seit 2010 Kenntnis von den Abweichungen zwischen den Laborwerten und
Messungen auf der Straße gehabt habe. Diese seien jedoch „noch kein
Beleg für Manipulationen“. Zudem setzten sich Bund und Länder für
eine „schnellstmöglich wirksame Begrenzung der Emissionen aus
Diesel-Kfz ein.“ Die EU-Kommission wirft der Bundesregierung jedoch
in einem vertraulichen Schreiben vom Juni diesen Jahres vor, „keine
geeigneten Maßnahmen“ getroffen zu haben, um die schädlichen
Stickstoffdioxid-Emissionen schnellstmöglich zu begrenzen.

Der Geschäftsführer der nichtstaatlichen Umweltschutzorganisation
Deutsche Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte im Interview mit „Report
Mainz“: „Die Automobilhersteller, die solche Diesel-Fahrzeuge in
Deutschland verkaufen, sind genauso verantwortlich für den Tod von
wirklich Tausenden von Menschen jedes Jahr, wie eine Bundesregierung,
die das weiß und nicht einschreitet.“

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr an 60 Prozent aller
verkehrsnahen Messstationen die gesetzlichen Grenzwerte für
Stickstoffdioxid-Belastung überschritten. Diese hohe Belastung geht
laut Umweltbundesamt vor allem auf Diesel-Pkw zurück. Forscher des
britischen King´s College haben vor kurzem eine Studie zu den
Gesundheitsgefahren unter anderem von Stickstoffdioxid
veröffentlicht. Auf Grundlage von Erkenntnissen der
Weltgesundheitsorganisation schätzen sie, dass Stickstoffdioxid
allein in London pro Jahr mehrere tausend Menschen tötet. Das
Umweltbundesamt hält diese Studie für qualitativ gut und bestätigt
die Gesundheitsgefahr von Stickstoffdioxid.

Weitere Informationen unter www.reportmainz.de. Zitate gegen
Quellenangabe „Report Mainz“ frei. Pressekontakt: „Report Mainz“,
Tel. 06131/929-33351.

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