„Vertreibung wird immer ein Verbrechen bleiben“

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Im Rahmen einer Feierstunde, erinnerte die Union der Vertriebenen und Flüchtlinge und der Bund der Vertriebenen an die Unterzeichnung der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ am 5.August 1950 in Stuttgart. Dazu hatten sich zahlreiche Teilnehmer an der Gedenktafel vor dem Ehrenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart zusammengefunden, unter denen die Kreisvorsitzende der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge, die CDU-Bundestagsabgeordnete und Stuttgarter Stadträtin Iris Ripsam, auch Vertreter aus der Politik wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Maag, die CDU- Landtagsabgeordneten Konrad Epple und Raimund Haser und den ehemaligen CDU- Regionalrat Hans-Werner Carlhoff begrüßen konnte. Aber auch Alt-Stadträtin Bärbel Häring und zahlreiche Honoratioren von den Vertriebenenverbänden wie die Bundesfrauenreferentin der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Gerda Ott, der Sprecher der Südmährer, Franz Longin, der Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Baden-Württemberg, Klaus Hoffmann und der Stuttgarter Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Albert Reich, waren zur Feierstunde gekommen, um der Festrede des Sprechers der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, in der von der Bläsergruppe Feuerbach musikalisch umrahmten Feier, beizuwohnen.
Bevor Bernd Posselt den 66.Jahrestag der Unterzeichnung der ?Charta der deutschen Heimatvertriebenen? würdigen konnte, ging die Landes-und Kreisvorsitzende der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge, die Bundestagsabgeordnete und Stadträtin, Iris Ripsam, zunächst auf die aktuelle Flüchtlingspolitik in Deutschland ein und bat die baden-württembergische Landesregierung über die Personalie des Amtes des Landesbeauftragten für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler endlich zu entscheiden.
Bernd Posselt, ehemaliger Europaabgeordneter der CSU und Präsident der Paneuropa-Union Deutschland , erinnerte in seiner Festrede zunächst an den 70.Jahrestag der Vertreibung, musste doch die größte Masse der deutschen Heimatvertriebenen im Jahre 1946 Haus und Hof verlassen. Auch dürfe man die Begriffe Flucht und Vertreibung nicht vermischen, gab es doch Menschen, die deportiert wurden und solche, die geflohen sind, aber dann doch auch zu Vertriebenen wurden, weil sie nach ihrer Flucht nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten. Bernd Posselt machte an dieser Stelle noch einmal deutlich, dass die Vertreibung ein eiskalt geplantes Nachkriegsverbrechen war und nicht als automatische Folge der NS-Verbrechen angesehen werden darf. ?Man kann ein Verbrechen nicht durch ein anderes Verbrechen relativieren?, sagte der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe weiter, ?Vertreibung wird immer ein Verbrechen bleiben?. Deshalb sei die ?Charta der deutschen Heimatvertriebenen? vom 5.August 1950 eine einzigartige Friedenserklärung, mit der die Heimatvertriebenen, trotz der noch frischen Erinnerungen an das widerfahrene Leid und Unrecht der Vertreibung, ?im Bewusstsein ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen auf Rache und Vergeltung verzichtet haben und bereit waren zur Schaffung eines geeinten Europa und zur Teilnahme am Wiederaufbau Deutschlands und Europas?. Der CSU-Politiker betonte in diesem Zusammenhang auch, dass es noch nie ein Recht auf Rache gegeben hätte und es auch künftig ein solches Recht niemals geben werde. Posselt unterstrich dabei die bahnbrechenden Visionen, die die deutschen Heimatvertriebenen mit der ?Charta? bereits vor 66 Jahren formuliert hätten, weshalb der ehemalige bayerische Ministerpräsident und Schirmherr der Sudetendeutschen, Franz-Josef Strauß, einmal sagte, dass die deutschen Heimatvertriebenen eigentlich den Friedensnobelpreis verdient hätten.
Als Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, schilderte Bernd Posselt auch die Bemühungen im Rahmen der Verständigungsarbeit mit Tschechien, die erst nach dem Fall des ?Eisernen Vorhangs? im Jahre 1989 so richtig Fahrt aufnehmen konnten. Dabei setze man auf die Volksdiplomatie der deutschen Heimatvertriebenen, wo Heimatgliederungen und ?verbände hüben wie drüben von unten her unermüdlich daran arbeiten, starre Fronten aufzubrechen und die positiven Signale einer Veränderung, die es schon gibt, weiter auszubauen. Ein Höhepunkt der Verständigung zwischen Sudetendeutschen und Tschechen, sei dabei der diesjährige Besuch und die Rede des tschechischen Kulturministers Daniel Herman auf dem Sudetendeutschen Tag in Nürnberg gewesen, mit dem erstmals ein Vertreter einer tschechischen Regierung auf dem alljährlichen Vertriebenentreffen sprach und dessen Entschuldigung namens der tschechischen Regierung für die menschenverachtende Vertreibung der Sudetendeutschen und der Anwendung der ungerechten Kollektivschuld Festredner Bernd Posselt als einen historischen Moment bezeichnete, auf den die Sudetendeutschen schon seit Jahrzehnten hinarbeiteten.
Bernd Posselt beleuchtete in seiner Ansprache natürlich auch die aktuelle Flüchtlingspolitik und sagte, dass die Vertreibung der deutschen Heimatvertriebenen mit der Flucht der Menschen in heutiger Zeit zwar vergleichbar, doch nicht gleichzusetzen sei. So verbänden die Vertriebenen von damals mit den Flüchtlingen von heute zwar, dass sie aus ihren Ländern verjagt wurden beziehungsweise werden, weil sie in irgendeinem Punkt anders sind, wie es sich die Machthaber beziehungsweise Vertreiber vorstellten, der Unterschied zum Jahre 1946 sei jedoch, dass mit den deutschen Heimatvertriebenen deutschsprachige Mitteleuropäer christlichen Glaubens in ein damals zerstörtes Restdeutschland kamen, in dem kulturell betrachtet eben vieles ähnlich war wie in ihrer Heimat. Überhaupt, so Posselt weiter, würde in der Flüchtlingsdebatte viel zu wenig das Schicksal der Vertreibung der orientalischen Christen Erwähnung finden. In diesem Zusammenhang erinnerte der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft auch daran, dass das Recht auf Heimat ein elementares Menschenrecht sei und mahnte am Ende seiner Festrede ?Wer die Vertreibung vor 70 Jahren vergessen machen möchte, der macht sich zum Mittäter an den Vertreibungen der heutigen Zeit?.
Zum Abschluss schilderte der Kreisvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Albert Reich, noch die besondere Stimmung bei der Verkündung der ?Charta? im Hof des zerstörten Neuen Schlosses in Stuttgart, die er zusammen mit seinem Vater erlebte und erzählte von seiner ersten Begegnung mit der Familie Posselt in Karlsruhe, als er Festredner Bernd Posselt schon als kleinen Jungen kennenlernte.
Für den Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Klaus Hoffmann, ist die Charta der deutschen Heimatvertriebenen Richtschnur und Wegweiser für die Heimatarbeit. Er ergänzt ? Mit Weitsicht haben die Verfasser der Charta gehandelt. Die Sudetendeutschen und alle deutschen Heimatvertriebenen haben zur Durchsetzung ihrer Anliegen bis heute nie Gewalt angewandt. Die Charta wird zu Recht als Grundgesetz der deutschen Heimatvertriebenen betrachtet.?
Quelle: UdVF Stuttgart
Fototexte :
Feierstunde zur Erinnerung an die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz am 5.August 2016:
Foto 1 : Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, sprach die Festrede bei der ?Charta?-Feier der UdVF-Stuttgart am 5.August 2016 auf dem ?Schlossplatz? in Stuttgart.
Foto 2 : Feierstunde am Jahrestag der Verkündigung der ?Charta der deutschen Heimatvertriebenen? am 5.August 2016:
V.l.n.r. : die CDU- Landtagsabgeordneten Konrad Epple und Raimund Haser, der Vorsitzende der Sing-, Tanz- und Spielkreise
in Baden-Württemberg, Reinhold Frank (leicht verdeckt), Regionalrat a.D. Hans-Werner Carlhoff, der stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Baden-Württemberg, Hartmut Liebscher, Festredner Bernd Posselt, Alt-Stadträtin Bärbel Häring, die Stuttgarter SL-Kreisobfrau Waltraud Illner, UdVF-Landes-und Kreisvorsitzende, Stadträtin Iris Ripsam MdB, SL-Landesobmann Klaus Hoffmann und der Sprecher der Südmährer, Franz Longin.
Fotos: Helmut Heisig

Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Wir vertreten die im Land Baden-Württemberg wohnenden Sudetendeutschen.
Die Nachfahren jener Deutschen, die vor mehr als 800 Jahren in den sogenannten „Böhmischen Ländern“, nämlich in Böhmen, Mähren und dem südlichen Teil Schlesiens (diese Länder bilden heute die „Tschechische Republik“) ansässig geworden sind, wurden in diesem Jahrhundert unter dem Sammelnamen „Sudetendeutsche“ bekannt.
1945/46 wurden 3,2 Millionen von den insgesamt 3,5 Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben, ihr Eigentum wurde entschädigungslos konfisziert. Konfiskation und Vertreibung waren begleitet von blutigen Exzessen. Grundlage dieser gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßenden „ethnischen Säuberung“ bildeten Dekrete, die vom damaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Bene? erlassen worden waren und die heute noch gültig sind.
Rund 600 000 dieser vertriebenen Sudetendeutschen kamen nach Baden-Württemberg, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten und in das wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben eingegliedert wurden. Sie fanden sich in zahlreichen Vereinigungen zusammen, deren Grundlage ganz verschiedenartig war: Herkunftsgebiete, politische oder kulturelle Interessen, Freizeitgestaltung, berufliche Gemeinsamkeiten und manches mehr.
Jeder 15. Einwohner Baden-Württembergs ist Sudetendeutscher. Heute gibt es in Europa und Übersee insgesamt rund 3,8 Millionen Sudetendeutsche. Rund 600 000 von ihnen kamen im Zuge der Vertreibung aus ihrer Heimat nach dem 2.Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung trugen sie in der Nachkriegszeit zum Wiederaufbau des Landes bei. Durch ihre Stimmabgabe bei der Volksabstimmung 1952 waren sie wesentlich am Zustandekommen des „Südweststaates“ beteiligt. Die für Baden-Württemberg kennzeichnende Ausgewogenheit zwischen großen Weltfirmen, Mittel- und Kleinbetrieben hat die wirtschaftliche Eingliederung der Sudetendeutschen und die Gründung neuer Werke und Fabriken durch sudetendeutsche Unternehmer in besonderem Maße erleichtert. Stellvertretend dafür seien genannt die Autofirma Porsche in Stuttgart, die Wiesenthal-Glashütte in Schwäbisch Gmünd, die Aluminium-Hütte Grohmann in Bisingen,die Maschinenfabrik Panhans in Sigmaringen, die Papierwerke Zechel in Reilingen,das Pharmawerk Merckle in Blaubeuren, dazu zahlreiche weitere mittlere und kleinere Betriebe.
27 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs übernahmen Patenschaften über sudetendeutsche Kreise, Gemeinden und Landschaften. Insgesamt 24 kulturelle sudetendeutsche Einrichtungen – wissenschaftliche Gesellschaften, Archive, Büchereien, Sammlungen, Heimatstuben – wurden durch eigene Kraft der Sudetendeutschen und mit Hilfe öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg aufgebaut.
Aus dem kulturellen Leben des Landes sind manche Namen von Sudetendeutschen nicht mehr wegzudenken, wie z. B. der Bildhauer Prof. Otto H. Hajek, die Tänzerin Birgit Keil, die Komponisten Karl-Michael Komma und Widmar Hader, der weltbekannte Posaunist Armin Rosin, die Dirigenten Wolfgang G. Hofmann und Emmerich Smola, die Malerin Traude Teodorescu-Klein oder der Dichter und Schriftsteller Josef Mühlberger – um nur einige wenige stellvertretend zu nennen.
Das Sudetenland im Vergleich zur Fläche einzelner deutscher Bundesländer
Bayern 70550 km2
Baden-Württemberg 35750 km2
Sudetenland 26500 km2
Hessen 21100 km2
Schleswig-Holstein 15700 km2
Saarland 2600 km2
Die kulturelle Verflechtung der Sudetendeutschen mit den übrigen deutschen Ländern und Landschaften ist seit Jahrhunderten eng und vielgestaltig.
Beispiele sind: Der schwäbische Baumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der im 14. Jahrhundert u. a. den Veitsdom in Prag erbaute, oder der aus dem Egerland kommende Barockbaumeister Balthasar Neumann, der nicht nur die Würzburger Residenz, sondern z. B. auch berühmte Treppenhäuser in Brühl und Bruchsal schuf. Auch andere Namen, herausgegriffen aus einer großen Zahl, beweisen den lebendigen Anteil, den die Deutschen aus den böhmischen Ländern am geistigen Leben des gesamten deutschen Volkes hatten und haben: Der Komponist Johann Wenzel Stamitz aus Deutsch-Brod beispielsweise, der später in Mannheim wirkte, Vinzenz Prießnitz und Johann Schroth, die großen Naturheiler, der Brünner Abt Gregor Mendel, dessen Vererbungslehre zur Grundlage moderner Genetik wurde, die Friedensnobelpreis-Trägerin Bertha von Suttner, die Dichter Rainer Maria Rilke, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, die Maler Alfred Kubin oder Ferdinand Staeger, aber auch die Bamberger Symphoniker, die nach der Vertreibung aus den „Prager Deutschen Philharmonikern“ hervorgegangen waren, oder auch der Schriftsteller Otfried Preußler aus Reichenberg, dessen „Räuber Hotzenplotz“ und „Kleine Hexe“ heute Millionen Kinder und Erwachsene erfreuen.
Die Organisationen der Sudetendeutschen spiegeln in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit das Leben und die Interessen der Angehörigen dieser Volksgruppe wider. Im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich gibt es sudetendeutsche Zusammenschlüsse, aber auch auf Generationsebene und im Bereich der Freizeitgestaltung.
In Baden-Württemberg gibt es heute 27 größere sudetendeutsche Vereinigungen, von denen viele noch Untergliederungen auf Orts- und Kreisebene haben.
Mehrere sudetendeutsche Zeitschriften werden in Baden-Württemberg herausgegeben, ebenso haben verschiedene sudetendeutsche Stiftungen, Institute und Gesellschaften ihren Sitz in diesem Lande.
Die Sudetendeutschen im Vergleich zur Einwohnerzahl verschiedener Staaten
Norwegen 4,1 Mio
Sudetendeutsche 3,8 Mio
Irland 3,3 Mio
Albanien 2,7 Mio
Luxemburg 0,36 Mio
Island 0,23 Mio

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