VFUKS-Aktionswoche in Stuttgart: Freie Kita-Träger fordern mehr Freiräume zur Umsetzung innovativer Ideen

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Die VFUKS-Vorstandsvorsitzende Waltraud Weegmann begrüßt zur zweiten VFUKS-Aktionswoche. (Bildquelle
 

Kitas der Zukunft: Ist mehr vom Gleichen richtig? Oder brauchen wir ganz neue Konzepte? Um diese Fragen ging es bei der Abschlussdiskussion der Aktionswoche des Verbands freier unabhängiger Kindertagesstätten Stuttgart (VFUKS) am 7. März 2016. In 15 Einzelveranstaltungen hatten sich im Verlauf der Woche mehrere hundert Eltern sowie Fachleute aus Kitas und von Trägern über aktuelle Themen der Frühpädagogik informiert und Einrichtungen der VFUKS-Mitglieder kennengelernt.

Mit einer großen kitapolitischen Diskussionsrunde ging am vergangenen Montag (7. März 2016) die zweite Aktionswoche des Verbands freier unabhängiger Kindertagesstätten Stuttgart (VFUKS) zu Ende. Die anwesenden Politikerinnen und Politiker aus Kommune und Land waren sich in Bezug auf die wichtige Rolle freier Kita-Träger weitgehend einig. „Von diesen Trägern erwarten wir Innovationen“, hieß es. Die Landesregierung in Baden-Württemberg habe bereits viele Impulse aufgegriffen und positive Veränderungen auf den Weg gebracht, so dass das Land heute bei der Betreuungsqualität in den Kitas bundesweit an der Spitze stehe. Auch mit einer dualen Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern gehe Baden-Württemberg sehr erfolgreich neue Wege.

„Wir benötigen Ermessensspielräume“

Die Vertreterinnen und Vertreter des VPK-Bundesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e.V. sowie des Verbands freier unabhängiger Kindertagesstätten Stuttgart (VFUKS) bemängelten jedoch fehlende Freiräume: „Umfangreiche Verwaltungsvorschriften machen es sehr mühsam, neue Ideen und Konzepte umzusetzen“, sagte die VFUKS-Vorstandsvorsitzende Waltraud Weegmann. „Ich habe große Zweifel, ob unter den heutigen Rahmenbedingungen noch ein großer, neuer pädagogischer Wurf, wie zum Beispiel einst die Waldorfpädagogik, möglich wäre.“ Hermann Hasenfuß vom VPK-Bundesverband bestätigte: „Viele Mitglieder aus unserem Verband sagen, dass sie sich von den Landesjugendämtern gegängelt fühlten. Wir benötigen eine neue Kultur des Vertrauens, die den Trägern Ermessenspielräume zugesteht.“

„Ich fordere eine positive Diskriminierung!“

Detlef Diskowski, ehemaliger Referatsleiter im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, beschrieb in seinem Impuls-Referat, was gemeint ist, wenn es um neue Ideen für die Kindertagesbetreuung in Deutschland geht. „Wir neigen dazu in immer den gleichen Schemata zu denken, doch die Zukunft ist nicht die Gegenwart in XXL.“ Er forderte, die Lebenssituationen der Kinder und Familien genauer zu betrachten und individuellere Lösungen zu finden. Zum Beispiel sei es fraglich, ob für Kinder mit Fluchterfahrung eine Betreuung in einer Kita im Einzelfall der richtige Weg sei. Grundsätzlich gelte: Dort wo es besonderen Unterstützungsbedarf gebe, dort müsste mehr Geld fließen, es müssten die besten Fachleute aktiv werden und eine optimale Ausstattung sichergestellt sein. „Ich fordere eine positive Diskriminierung“, sagte er. „Aus Studien wissen wir, dass der Einfluss des Elternhauses auf Kinder etwa doppelt so groß ist, wie der der Kita. Wenn die Einrichtungen für Mädchen und Jungen, die zu Hause wenig Anregungen bekommen, etwas bewirken sollen, müssen sie sehr sehr gut sein.“

Kitas zu Kinder- und Familienzentren weiterentwickeln

Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch, die die Schirmherrschaft für die Veranstaltungswoche übernommen hatte, betonte in ihrem Grußwort den eigenständigen pädagogischen Auftrag von Kindertagesstätten „auf Augenhöhe mit Schulen“. Ein wichtiger Schritt bei der Weiterentwicklung von Kitas sei deren Ausbau zu Kinder- und Familienzentren. Dort soll es Beratungs- und Gesprächsangebote geben, die über die klassische Elternarbeit hinausgehen.

Aktionswoche mit 15 Einzelveranstaltungen

Im Verlauf der Aktionswoche stellten die elf Träger des VFUKS, die in ihren 45 Einrichtungen rund ein Drittel aller Kita-Kinder in Stuttgart betreuen, mit 15 Vorträgen, Gesprächsrunden, Führungen und Workshops aktuelle Themen der Frühpädagogik zur Diskussion und präsentierten ihre Häuser. Insgesamt nutzten mehrere hundert Eltern sowie Fachleute aus der Frühpädagogik die Angebote. Ein gemeinsames Motto zog sich als roter Faden durch die Veranstaltungen. Es lautete: „Freiraum geben, Werte vermitteln und Grenzen setzen – Kinder stärken für die Zukunft“.

Nähe herstellen – Werte leben

Professorin Dörte Weltzien von der Evangelischen Hochschule in Freiburg ging in ihrem Eröffnungsvortrag auf die Bedeutung von Interaktion in der Kita ein. Sie unterstrich, wie wichtig ein dialogisch orientierter, von Akzeptanz, Wertschätzung und Einfühlungsvermögen geprägter Austausch mit Erwachsenen sei, damit Kinder ein positives Selbstbild entwickeln könnten. Erzieherinnen und Erzieher sollten sich daher Zeit für intensive Gespräche mit den Kindern nehmen, in denen sie zusammen ungestört in ein Thema „eintauchen“. Um dies im hektischen Kita-Alltag gut umsetzen zu können, sei es hilfreich, wenn sich die Teammitglieder dafür gegenseitig den Rücken freihielten.

Im Verlauf der Woche konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Thema unter anderem in folgenden Einzelveranstaltungen weiter verfolgen:

Philosophieren mit Kindern

Unter dem Titel „Die Gedanken sind frei“ ging es in einer Veranstaltung im element-i-Kinderhaus „Energiebündel“ der Kinder in Stuttgart gGmbH um das Philosophieren mit Kindern. Der Referent rief dazu auf, Kinder auf ihren Erkenntniswegen zu begleiten, statt sie mit Erwachsenwissen zu belehren. Er machte dies unter anderem an diesem Beispiel anschaulich: Ein Kind fragte, wie lange es die Welt schon gebe und beantwortet sich die Frage selbst: fünf Jahre! Denn so lange sei es ja schon da. Später fiel ihm ein, dass es die Welt schon länger geben müsse, da ja der Erzieher älter sei. Zusammen stellten sie fest, dass die Welt also mindestens schon 31 Jahre alt sein müsse. Allerdings, so merkten sie, hätten sie ja noch Eltern und Großeltern, die deutlich älter seien…

Berührung mit Respekt

Im Kinderzentrum Kunterbunt bei Mahle ging es um das Thema „Berührung mit Respekt“. Die Referentin berichtete über die Bedeutung von Berührungen für den Beziehungsaufbau. Zusammen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern reflektierte sie jedoch auch darüber, wann Menschen Berührung als unangenehm oder unangemessen empfinden. Abschließend erklärte sie, wie sich Geschichten durch (respektvolle) Berührungen begleiten lassen – so könnte zum Beispiel die Hand der Erzieherin oder des Erziehers als Schnecke über den Rücken des Kindes kriechen.

Sich die Welt malend und zeichnend aneignen

Eine Veranstaltung der Kita Himmelwerk der Werkids widmete sich dem künstlerischen Ausdruck. Kinder eigneten sich die Welt auf kreative Weise an, erläuterte die Referentin. Dabei gehe es den Jungen und Mädchen vor allem um den Schöpfungsprozess – weniger um das Produkt. Interessant ist, dass die Art, wie Kinder malen und zeichnen, typische Phasen durchläuft, die bei allen in vergleichbarer Weise ablaufen. Eltern und Kinder, die die Kita besuchten, konnten sich gleich selbst künstlerisch betätigen, indem sie mit einer Wasserpistole Farbe auf Leinwände spritzten.

„Willkommen!“

Die educcare Bildungskindertagesstätte in Stuttgart-Zuffenhausen stellte ihr Projekt „Willkommen! Gelebte Vielfalt in der Kita“ vor. Den Zuzug von Flüchtlingen zum Anlass nehmend, macht das Projekt den Mädchen und Jugend deutlich, dass es unterschiedliche Länder und Kulturen gibt und Menschen verschiedene Hautfarben haben. Nicht nur die Kita-Kinder auch deren Eltern sind in die Projektarbeit eingebunden.

Weitere Informationen und Bilder unter: www.vfuks.de

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