„Was hast Du heute schon gespritzt?“ / ARD-Recherche-Redaktion Sport: Studie zu Doping im Radsport zeigt immer noch kaum Vertrauen in gegnerische Teams

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Eine neue Studie zu Doping im Radsport
liefert überraschende Ergebnisse. An einer anonymen Befragung unter
deutschen Radprofis nahmen 45 Fahrer freiwillig teil und brachten
dabei großes Misstrauen gegenüber den Konkurrenten zum Ausdruck. 75
bis 90 Prozent der Radprofis gaben an, dass sie davon ausgehen, dass
die Fahrer in den gegnerischen Teams zu Dopingmitteln greifen. Die
Erhebung wurde von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im
Laufe des Jahres 2015 durchgeführt.

Gefragt nach dem eigenen Verhalten in Bezug auf Doping, gab
dagegen kaum ein Radprofi an, zu dopen bzw. schon mal verbotene
Substanzen zu sich genommen zu haben. Außerdem vertrauen die meisten
auch ihren Teamkollegen. Kaum Vertrauen haben die Radprofis dagegen
in die deutsche Anti-Doping-Agentur NADA. Sie sind der Meinung, dass
die NADA nicht in der Lage ist, das Dopingproblem zu lösen, weil
nicht alle Substanzen nachweisbar sind und der NADA zu wenig Geld für
lückenlose Kontrollen zur Verfügung stehen.

Maßgeblich an der Durchführung der Studie beteiligt war der
deutsche Radfahrer Daniel Westmattelmann, zuletzt Sechster bei den
Deutschen Meisterschaften im Zeitfahren 2015, der nebenher an der
Universität Münster BWL studiert hat und inzwischen promoviert. Im
Interview mit der ARD-Recherche-Redaktion Sport sagt der 28-Jährige:
„Als Radfahrer ist man immer mit dem Dopingproblem konfrontiert
worden. Es fängt ja schon an auf Trainingsfahrten, wenn Leute einen
einfach ansprechen: Ja, und, was hast Du heute schon gespritzt?
Irgendwann hat mich dann einfach das Interesse gepackt, das
wissenschaftlich aufzuarbeiten.“

Laut der Studie setzen die Radprofis große Hoffnungen in das
Anti-Doping-Gesetz, das in Deutschland seit Anfang des Jahres gilt.
Von den Anti-Doping-Maßnahmen, von denen sich die Fahrer am meisten
versprechen, kommt das neue Gesetz an zweiter Stelle. Lediglich für
noch wichtiger halten sie die Verbesserung der Nachweismethoden von
Dopingsubstanzen. Jörg Werner, Manager der deutschen
Top-Radrennfahrer Tony Martin, Marcel Kittel und John Degenkolb, ist
von der Aussagekraft der Studie überzeugt: „Das Ergebnis halte ich
für realistisch. Das ist auch das, was man so mitbekommt, wenn man
Gespräche führt, mit den Rennfahrern. Und ich glaube, dass die, die
dort geantwortet haben, anonym, dass die sich auch Gedanken gemacht
haben, was sie antworten. Insofern glaube ich schon, dass das auch
die derzeit existierende Meinung wiederspiegelt.“

Konfrontiert mit den Ergebnissen antwortet auf Anfrage der
ARD-Recherche-Redaktion Sport für die NADA deren Vorstandsmitglied
Lars Mortsiefer: „Dass man es uns so vielleicht nicht zutraut, daran
müssen wir weiter arbeiten, dass wir das auch noch vermitteln. Wir
machen über 14.000 Dopingkontrollen im Jahr, wir haben das
Wettkampfkontrollsystem übernommen, wir machen Zielkontrollen in
allen Bereichen des Spitzensports, natürlich auch gerade im Radsport.
Da müssen wir vielleicht auch ein Stück weit noch die Werbetrommel
rühren, damit das vielleicht auch noch dazu führt, noch stärker
Vertrauen zu bekommen.“

Zitate gegen Quellenangabe „ARD-Recherche-Redaktion Sport“ frei.
Pressekontakt: Wolf-Günther Gerlach, Tel. 06131 929 33293,
wolf-guenther.gerlach@swr.de

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