WAZ: Arm und Reich sind Nachbarn – Kommentar von Matthias Korfmann zu Sozialkosten

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Machen Sie den Selbstversuch: Gehen Sie mal durch
Hilden im Kreis Mettmann und sehen Sie, wie fein NRW-Städte sein
können: gediegener Wohlstand, glatte Straßen, zumindest oberflächlich
heile Welt. Und dann gehen Sie mal durch Altenessen oder
Dortmund-Dorstfeld oder Bochum-Hamme. Das sind keine schlechten Orte,
sie haben Charme, man kann sie lieben. Aber im Vergleich zu den
rheinischen Vorzeigeorten wirken sie: abgehängt.

Arme Städte, reiche Städte, nebeneinander in einem Land. Die einen
flicken kreativ Schulen, die anderen üben Marketing. Sind die
Pleitestädte im Revier selbst daran schuld? Haben sie schlecht
gewirtschaftet? Möglicherweise. Aber ein Teil ihrer Probleme
resultiert aus ihrer besonderen Verantwortung. Sie stehen in der
Pflicht, bedürftigen Menschen – und von ihnen gibt es in Teilen des
Ruhrgebiets mehr als anderswo – ein Leben in Würde zu ermöglichen.
Das kostet viel. Es kostet sogar immer mehr.

Der Bund könnte die Not lindern. Indem er die extrem prekäre Lage
erkennt und Städte mehr als bisher nach sozialen Kriterien fördert.
Vorteil fürs Revier: Es dürfte endlich wieder von Entschuldung
träumen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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