WAZ: Auf dem Höhepunkt der Macht. Kommentar von Miguel Sanches zu Angela Merkel

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Gehen wir mal davon aus, dass 2017 Angela Merkel für
die Union und Sigmar Gabriel für die SPD antreten werden. Erstens
wäre das der Normalfall. Sie führen schließlich die Regierung und die
größten Parteien an. Zweitens wäre alles andere als eine erneute
Kandidatur Merkels für die Union eine Überraschung, und zwar eine
böse. Dass Merkel den nächsten Wahlkampf intern längst erörtert hat,
wie der „Spiegel“ meldet, ist ein Indiz. Freilich nicht mehr. Sie ist
die CDU-Chefin und als Kanzlerin bis 2017 gewählt. Sie müsste sich
auch oder gerade dann einmischen, wenn sie selbst nicht mehr
kandidieren sollte. „Nach mir die Sintflut“ – das ist keine Haltung.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wenn sie aufhört, wird Merkel dafür
Sorge tragen, dass die Stabübergabe nicht schiefgeht. Merkel wäre die
erste Politikerin, die frei von Geltungssucht ist. Es würde ihr
natürlich gefallen, erneut zu gewinnen, eine vierte Amtszeit
anzugehen und mit Helmut Kohl gleichzuziehen. Aber gleichzeitig ist
es auch nicht reizlos, auf dem Höhepunkt der Macht zu gehen. Weil es
souverän ist, weil es die schwerste Übung wäre; und weil es vor ihr
noch kein anderer Kanzler geschafft hat. Adenauer und Erhard wurden
mehr oder weniger aus dem Amt gedrängt, Kiesinger, Kohl und Schröder
abgewählt. Brandt trat wegen der Guillaume-Affäre zurück, Schmidt
fühlte sich von der FDP (und von seiner Partei) im Stich gelassen. Es
wäre ein Bravourstück, wenn Merkel aufhören würde, obwohl ihre Partei
und die Wähler nicht genug von ihr haben und obwohl die
Gewinnaussichten 2017 günstig sind. Die Union wird Merkel gut
zureden, sie habe den Zenit noch lange nicht überschritten. Das Beste
komme noch, weit nach 2017. Manche träumen schon von einer absoluten
Mehrheit. Wenn es stimmt, dass die CDU ein Kanzlerwahlverein ist – im
Vergleich zur SPD trifft das allemal zu -, dann ist die
Geschäftsgrundlage klar: Der Verein schuldet ihr die unbedingte
Gefolgschaft und Merkel ihm den Machterhalt. Das spricht gegen einen
selbstsüchtigen Abgang.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
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zentralredaktion@waz.de

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