WAZ: Bärendienst für den Nahverkehr – Kommentar von Michael Kohlstadt zum Bären-Ticket

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Die Einführung eines Seniorenangebots im
öffentlichen Nahverkehr war ein kluger Marketing-Schachzug, damals im
Oktober 2003. Es ging um die vielerorts umworbenen jungen Alten.
Diese Silver-Surfer wollte man auf die Schiene locken, weg von der
Straße. Wie Bären in ihrem weitläufigen Revier, so die Idee findiger
Werbestrategen, sollten sie jenseits des Arbeitslebens (und abseits
der Pendlerströme) durchs Verbundgebiet streifen können, erster
Klasse und mit einem einzigen Ticket in der Tasche.

Doch das „Bären-Ticket“ hat seine Tücken. Von Anfang an wirkte die
Altersgrenze von 60 Jahren willkürlich. Seltsam unentschieden bleibt
auch, welche Zielgruppe erreicht werden soll. Die mobilen Senioren –
wer ist das eigentlich? Das Ticket mit dem tatsächlichen
Renteneintritt zu verknüpfen, wäre jedenfalls die bessere
Alternative.

Die Anhebung der Altersgrenze ist natürlich eine versteckte
Preiserhöhung. Der Nahverkehr, ein riesiges Zuschussgeschäft, kann
sich Extrawürste bis auf naheliegende Ausnahmen wie das Schülerticket
immer weniger erlauben. Und im VRR-Tarifdschungel findet sich ohnehin
kaum jemand mehr zurecht. Wahrscheinlich nicht einmal Bären.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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