WAZ: Der belastete Prozess. Kommentar von Walter Bau

Abgelegt unter: Innenpolitik |





219 Verhandlungstage – alles für die Katz, das Ganze
noch mal von vorn? Es wäre ein Desaster für den NSU-Prozess gewesen,
der sich in München seit mehr als zwei Jahren zäh dahinschleppt. Doch
auch wenn die Entpflichtungsanträge der drei Zschäpe-Verteidiger
zurückgewiesen wurden – nach den verheerenden Pannen und
Fehleinschätzungen bei den Ermittlungen in der Mordserie droht nun
auch die Justiz Schaden zu nehmen. Beate Zschäpe ist die große
Unbekannte im Prozess. Zur Sache hat sie bislang geschwiegen, was ihr
gutes Recht ist. Welches Spiel sie jedoch im Hintergrund spielt, ist
nebulös. Seit geraumer Zeit versucht sie offensichtlich, ihre
Rechtsanwälte gegeneinander auszuspielen. Der Verdacht, dass hier
eine clevere Angeklagte die Justiz vorführt, scheint nicht ganz
abwegig zu sein. Besonders belastend ist die Situation für die
Angehörigen der Opfer. Sie wurden bei den Ermittlungen
fälschlicherweise verdächtigt, mussten sich von der Polizei haltlose
Anschuldigungen anhören – während die Fahnder die rechte Spur zum NSU
vernachlässigten. Der Kleinkrieg zwischen Zschäpe, ihren Verteidigern
und den Richtern bedeutet eine zusätzliche Last für sie. Selbst da
ein Platzen abgewendet scheint, ist auch der Prozess belastet. Wie
soll das Verfahren ordnungsgemäß ablaufen, wenn zwischen der
Angeklagten und einigen Anwälten Funkstille herrscht und die
Verteidigung insgesamt nicht an einem Strang zieht? Der NSU-Prozess
droht zur Farce zu werden.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de