WAZ: Der einzig mögliche Schritt – Kommentar von Frank Stenglein zum Fall Hinz

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Meist hat ein Politiker auch im Skandalfall mehrere
Optionen. Petra Hinz hatte nur eine einzige: den sofortigen Rückzug
aus dem Bundestag. Wer seine Wähler und politischen Freunde
jahrzehntelang derart dreist hinters Licht führt, wer selbst auf
Stimmzetteln eine falsche Berufsbezeichnung führt, ist nicht mehr zu
halten. Das hat auch NRW-Justizminister Thomas Kutschaty sofort
erkannt, der erst Anfang Mai der Pflicht gehorchend den Vorsitz der
notorisch affärenbelasteten Essener SPD übernahm und nun die Scherben
zusammenkehren muss.

Sicher, wir alle sollten der Versuchung widerstehen, eine
letztlich individuelle Verfehlung zu verallgemeinern. Viele Politiker
auf allen Ebenen leisten gute Arbeit im Sinne der Allgemeinheit, und
das ist anerkennenswert. Das ändert allerdings nichts daran, dass der
politische Betrieb mitunter einen problematischen Typus anzieht. Die
Neigung zum Hochstapeln ist hier größer, weil die öffentliche Wirkung
so immens wichtig ist für die Karriere. Petra Hinz, die Frau mit der
Maske, hat dafür den Preis der gesellschaftlichen Vernichtung bezahlt
und muss sich womöglich noch juristisch verantworten. Es gibt keinen
Grund, sie zu bedauern. Aber ihr Fall sollte jedem eine Mahnung sein.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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