WAZ: Der Fußball als Vorbild für Europa. Kommentar von Walter Bau

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Angela Merkel, Feindbild Nummer eins im, ach, so
vereinten Europa, wird ihren Ohren nicht trauen: Solche Lobeshymnen,
wie sie in Europa gerade auf die Deutschen gesungen werden, hat die
Bundeskanzlerin von dort noch nie vernommen. Merkel wird für ihre
Stärke gehasst und verhöhnt, Borussia Dortmund und Bayern München,
die neuen Fußball-Herrscher Europas, erfahren dagegen
grenzüberschreitend Hochachtung. Was hat der Fußball, was die Politik
nicht hat? In Dortmund und München gelingt im Moment auf
beeindruckende Weise exakt das, was die Euro-Politiker in Brüssel und
Straßburg, Berlin und Rom, Athen und London partout nicht hinkriegen:
ein mitreißendes Wir-Gefühl jenseits nationaler Einzelinteressen –
zum Erfolg aller. Die beiden Multi-Kulti-Kickertruppen vereinen unter
deutscher Vereinsflagge Spieler höchst unterschiedlicher Herkunft.
Der Türke Sahin legt für den polnischen Torjäger Lewandowski auf,
Ribery und Robben spielen den perfekten franco-holländischen
Doppelpass. Manche Deutsche wie Gündogan, Gómez und Contento haben
ausländische Wurzeln. Dazu die Schweinsteigers und Weidenfellers. Und
einer kämpft für den anderen. Doch taugt der Fußball als Vorbild für
die Politik? Warum nicht?! So könnte es doch funktionieren in unserem
Europa, auch abseits des Fußballplatzes. Das Wort von Europa als
„Schicksalsgemeinschaft“, obwohl in den vergangenen Krisen-Monaten
fast zu Tode zitiert, trifft schließlich ins Schwarze. Europa – das
ist mehr als Euro-Kurs und Schuldenquote. Genauso wie Fußball mehr
ist als Punkte und Tabellenplatz. Gewonnen haben deutsche Clubs auch
früher; im Ausland gefeiert wurden sie selten. Jetzt schätzt man dort
die Bayern und Borussen eben nicht nur wegen ihrer Ergebnisse,
sondern für die Art und Weise, wie sie die Siege herausspielen – im
Team, das weit mehr ist als die Summe von Einzelspielern. Stellen wir
uns für einen Moment vor, zumindest ein bisschen so würde auch die
Politik in Europa agieren. Naiv? Mag sein. Aber was würden wir
jubeln!

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
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