WAZ: Der lange Schatten eines Skandals – Kommentar von Matthias Korfmann zu Contergan

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Es ist ja gerade in manchen Kreisen auch politisch
wieder angesagt, von der „guten alten Zeit“ zu schwärmen. Von einer
Zeit, in der alles angeblich noch geregelt und überschaubar war. Die
Studie zur Rolle des Landes NRW im Contergan-Skandal der 1960er-Jahre
rückt da einiges gerade. Auch so war die Nachkriegszeit: null
Verbraucherschutz, machtlose Behörden, ein Pharmakonzern, der den
Staat an der Nase herumführte, und eine Gesellschaft, der der Respekt
vor Menschen mit Behinderungen fehlte.

Das Wort „Wertschätzung“ fiel oft am Mittwoch in der Messe
Düsseldorf. Wertschätzung ist das, was die Contergan-Geschädigten und
ihre Angehörigen sehr vermisst haben. Der Skandal war ein Thema für
die Justiz, Medien, Gesundheitsbehörden. Die Politik hingegen hielt
sich möglichst raus. Jahrzehntelang. Daher waren viele Betroffene
dankbar für das Erscheinen der Gesundheitsministerin in ihrer Mitte.
Nie, hieß es an den Tischen, habe sich die „große Politik“ um die
Opfer gekümmert. Kein Ministerpräsident, kein Kanzler, kein
Bundespräsident.

Die Aufarbeitung des Skandals ist mit der neuen Studie ein Stück
vorangekommen. Ein Ende ist aber nicht in Sicht.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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