WAZ: Der Streit gerät außer Kontrolle. Kommentar von Andreas Tyrock zum Kölner Attentat

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Köln hat gewählt. Dass die favorisierte
OB-Kandidatin Henriette Reker die Auszählung der Wahlergebnisse auf
der Intensivstation mitverfolgen musste, nachdem sie einen Tag zuvor
nur knapp dem Tod entronnen war, macht die Dramatik des Wochenendes
deutlich. Die Messerattacke ist ein Angriff auf eine Frau, die sich
politisch engagiert, die sich in ihrer Aufgabe als Sozialdezernentin
und ausdrücklich im Wahlkampf für die Unterstützung von Flüchtlingen
einsetzte. Unterm Strich ist es nicht entscheidend, ob der Täter vor
allem verwirrt war oder ob er allein aus fremdenfeindlichen Motiven
handelte. Die Grenzen sind hier ohnehin fließend. Dass er sich in
seinen wirren Äußerungen unter anderem auf die Flüchtlingspolitik
berief, reicht als Indiz, dass eine weitere Eskalation im politischen
und gesellschaftlichen Streit um den Umgang mit Flüchtlingen erreicht
ist. Seit Wochen wird hier gezündelt, am rechten Rand ebenso wie in
den etablierten Parteien, allen voran in der CSU. Diese Polarisierung
und Radikalisierung bildet den Nährboden für Hass und Gewalt, bis hin
zu einem fast tödlichen Messerangriff. Insofern ist die Attacke auch
ein Angriff auf unser Gemeinwesen, auf die Werte dieser Gesellschaft.
Das Wochenende muss aufrütteln. Jeden. Die Politik ist gefordert,
weiter an Lösungen zu arbeiten, die wirklich überzeugen. Das ist
bisher nicht der Fall. Wohl wissend, dass es die eine Antwort auf die
extreme Herausforderung nicht gibt. Aber gerade in Deutschland ist
die Hilfsbereitschaft weiterhin sehr groß, unzählige Ehrenamtliche
leben in tausenden Projekten eine Mitmenschlichkeit vor, die
beeindruckt. Andererseits dürfen die Menschen in ihren Sorgen und
Ängsten nicht allein gelassen werden. Die Überforderung der Kommunen
ist offensichtlich, die Alarmsignale sind laut genug. Dennoch darf
die Gesellschaft ihren Grundkonsens nicht aufgeben, zu dem der
Respekt und das friedliche Miteinander gehören. Die feigen Angriffe
auf Flüchtlingsheime und die Wahnsinnstat auf dem Kölner Wochenmarkt
führen vor Augen, wie schnell der Streit außer Kontrolle geraten
kann.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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