WAZ: Ein Weckruf an die SPD – Kommentar von Tobias Blasius zur Groschek-Rede

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Als langjähriger SPD-Generalsekretär weiß Michael
Groschek, wie man sich Gehör verschafft. Die ungewöhnlich scharfe
Philippika des NRW-Bauministers gegen die Verhinderungsmacht von
Bürgerinitiativen mag manch rührigen Ehrenamtler in seinem Engagement
für eine lebenswerte Umwelt empfindlich treffen. Doch eigentlich will
Groschek eine andere, für das Industrieland NRW zweifellos wichtige
Frage aufwerfen: Haben wir uns zu sehr eingerichtet in einer
selbstbezogenen Vorgarten-Mentalität und den Sinn für die Bedeutung
von Infrastrukturbauten verloren?

Groschek bekommt als Ressortminister seit 2012 hautnah mit, wie
selbst unstrittige Allgemeinwohl-Projekte durch die immer
professionellere Vertretung von Einzelinteressen jahrelang behindert
werden. Deshalb will er jetzt eine Art Lobby für Beton und Asphalt
ins Leben rufen, ein „Bündnis für Infrastruktur“, eine Antwort auf
die Dagegen-Gesellschaft.

Der politische Profi Groschek sucht damit neun Monate vor der
Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auch die Abgrenzung zu den
Grünen. Seine Erzählung von einer ökologisch verkleideten
Stillstandsgesellschaft soll offenbar die in rot-grüner Harmonie
versunkene SPD daran erinnern, dass man eine eigenständige Partei
ist.

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Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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