WAZ: Entscheidung voller Widerspruch. Kommentar von Miguel Sanches zu Wolfgang Bosbach

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In den Redaktionen der Talk-Shows werden sie die
Sektkorken knallen lassen: Wolfgang Bosbach bleibt ihnen erhalten. Er
ist der prominenteste Kritiker der Euro-Rettungspolitik. Was er sagt,
hat Substanz und ist reizvoll, weil er von der CDU-Linie abweicht,
telegen und schlagfertig ist. Er bleibt im Bundestag, gibt aber den
Vorsitz im Innenausschuss auf. Das ist nicht logisch. Bestenfalls ist
es vor dem Hintergrund erklärbar, dass Bosbach oft genug damit
kokettiert hat, Schluss zu machen. Er musste jetzt handeln und
nebenbei dem Affen Zucker geben, in diesem Fall: uns, den Medien.
Einen gewissen Zwiespalt hat er selbst gespürt: „Vielleicht wäre es
konsequenter gewesen, mein Mandat ganz aufzugeben, aber das wäre auch
etwas widersprüchlich.“ Von einem Abgeordneten muss man erwarten
dürfen, dass er zu seinen Überzeugungen steht und kämpft.
Entscheidungen fallen in der Politik nicht selten im kleinen Kreis
und setzen einen großen Herdentrieb voraus. Es stimmt, Bosbach
profiliert sich auf Kosten der Herde, vielleicht ist es sogar sein
Geschäftsmodell. Auf den Verdacht können nicht nur
CDU-Generalsekretäre kommen. Aber: Wir sollten uns nicht einreden
lassen, dass die Abnicker die stillen Helden und die Bosbachs die
Störfälle der Demokratie sind.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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