WAZ: Es geht um unser Selbstverständnis. Kommentar von Alexander Marinos zum Flüchtlingsthema

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So langsam geht es ans Eingemachte. Spätestens dann,
wenn die Zeltlager vor der Haustür stehen und das eigene Kind
wochenlang auf den Schulsport verzichten muss, ist die globale
Völkerwanderung – angefacht durch Armut und Kriege wie in Syrien –
für jeden spürbar bei uns angekommen. Jetzt zeigt sich der Charakter
einer Gesellschaft. Dass Menschen in Not geholfen werden muss, lernt
man nicht nur in der Kirche. Eine solche Selbstverpflichtung gehört
zum Grundrüstzeug eines jeden moralisch denkenden Menschen. Viele
spenden in diesen Tagen darum alte Kleidung oder auch ein paar Euro.
Man tut Gutes – und Gutes zu tun ist ein gutes Gefühl. Aber was
passiert, wenn die Not der Anderen im Wortsinne ganz nah an mich
heranrückt, wenn mich das einschränkt, wenn es Angst macht? Das wird
uns alle herausfordern und unsere Menschlichkeit auf eine harte Probe
stellen. Wie groß und vorbildlich unsere Nation ist, wird in den
kommenden Wochen und Monaten klarer. Zum Glück entscheiden das nicht
ein paar Radikale unter uns. Dass hierzulande die Empörung darüber
wächst, wie brutal die britische Regierung im Eurotunnel-Drama
agiert, ist einstweilen ein gutes Zeichen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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