WAZ: Kanzlerin am Scheideweg – Kommentar von Walter Bau zur Griechen-Krise

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Angela Merkel hat lange Geduld gezeigt mit den
griechischen Regierungen in den vergangenen fünf Jahren, viel länger
als andere in ihrer Partei. Sie wollte den Euro retten, eine tiefe
Krise der EU verhindern. Das Nein der Griechen vom Sonntag muss die
Kanzlerin hart getroffen haben. Nun steht sie selbst am Scheideweg.

Setzt Merkel weiter auf Verhandlungen mit Athen? Dann muss sie
befürchten, dass ein drittes Hilfsprogramm ihre eigene Partei, die
CDU, vor eine Zerreißprobe stellen würde. Und wer sagt überhaupt,
dass künftige Gespräche mit Tsipras und seinen Leuten nicht erneut
ein zähes, endloses Palaver werden? Die mächtigste Frau Europas
stünde womöglich da als eine, die sich von Tsipras vorführen lässt.

Lässt Merkel aber die Griechen fallen und spekuliert sie darauf,
dass die Eurozone einen Grexit übersteht (was längst noch nicht
entschieden ist), würde die Kanzlerin als diejenige dastehen, die den
Bruch der Eurozone nicht verhindern konnte.

Angela Merkel muss sich bald entscheiden. Zuwarten ist keine
Option. Diesmal nicht.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
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