WAZ: Kein durchdachtes Modell – Kommentar von Tobias Blasius

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Angesichts der Zahl offener Baustellen in der
NRW-Schulpolitik kann eigentlich niemand in Düsseldorf eine neue
Debatte über das „Turbo-Abitur“ gebrauchen. Weil der Ärger in vielen
Familien über das ungeliebte „G8“ jedoch ungebrochen ist, war es nur
eine Frage der Zeit, bis eine der etablierten Parteien die
Schulzeitverkürzung zum Wahlkampfthema macht. Während Rot-Grün hier
Diskussionsverweigerung betreibt und die Union laviert, sind
ausgerechnet die ehedem glühenden G8-Verfechter von der FDP in die
Offensive gegangen.

Ihr Slogan „Wahlfreiheit für jede Schule“ klingt liberal, ist
jedoch bloß das Delegieren einer wichtigen Strukturfrage nach unten.
Sollen etwa künftig Eltern, Lehrer und Schüler nach Bauchgefühl vor
Ort entscheiden, ob das Abitur nach acht oder neun Jahren gebaut
wird? Schulpolitik hat die Aufgabe, den Dauerstreit an den Gymnasien
endlich mit einem durchdachten Modell zu befrieden.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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