WAZ: Kein Zauber des Neuanfangs. Kommentar von Tobias Blasius zum NRW-Kabinett

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Was monatelang wortreich geleugnet, treuherzig
abgestritten oder dreist ins Reich der politischen Fantasie verwiesen
wurde, ist nun Fakt: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin
Hannelore Kraft bildet eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl ihr
Kabinett um und tauscht drei Minister aus. Auch wenn die
Verjüngungskur offiziell mit Amtsmüdigkeit und „neuen
Herausforderungen“ begründet wird, ist sie unverkennbar der Versuch
eines Befreiungsschlages. Krafts Kabinett steckt in den Mühen der
Ebene fest, das lange stabile Umfragen-Hochplateau bröckelt. Die eher
sendungsschwachen Minister Guntram Schneider, Ute Schäfer und
Angelica Schwall-Düren werden mit warmen Worten in den politischen
Ruhestand geschickt. Solide Malocher wie Staatskanzlei-Chef
Franz-Josef Lersch-Mense und SPD-Fraktionsvize Rainer Schmeltzer oder
ein neues Gesicht wie die junge Bundestagsabgeordnete Christina
Kampmann sollen es richten. Die müde wirkende Regierungsmannschaft
dürften die Wechsel beleben. Doch den Zauber des Neuanfangs, den nur
wirkliche Prominenz in der Regierungsbank entfacht hätte, sollte
niemand erwarten.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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