WAZ: Koalition scheut die Impfpflicht. Kommentar von Julia Emmrich zum Impfen

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Impfen bleibt Privatsache: Die bundesweite
Impfpflicht gegen Masern ist vom Tisch. Die Koalition will zwar die
Masern ausrotten – scheut aber den entscheidenden Schritt. Das ist
schade. Dabei hätte die Regierung bei den Deutschen damit offene
Türen eingerannt: Die Mehrheit der Bundesbürger ist laut Umfragen für
eine Impfpflicht – die Impfgegner, die Impfskeptiker und die
Impfmüden sind in der Minderheit. Doch gerade um diese Minderheit
geht es: Wer keinen Impfschutz hat, gefährdet nicht nur sich selbst.
Er gefährdet auch diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht
geimpft werden können – zum Beispiel, weil sie noch zu klein dazu
sind. Deutschland hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2015 die Masern
auszurotten. Das hat nicht funktioniert. Stattdessen haben sich
Anfang des Jahres allein in Berlin über tausend Menschen neu mit
Masern angesteckt. Sobald sich irgendwo in Deutschland im nächsten
Winter erneut die Masernfälle häufen, wird die Frage wieder virulent
werden: Wie viel Impffreiheit ist gesund – und ab wann wird aus der
Freiheit Egoismus? Die Impfpflicht ist politisch vorläufig vom Tisch
– aber sie bleibt im Raum: als Verpflichtung.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
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