WAZ: Kraft konzentriert sich auf NRW. Kommentar von Walter Bau zur SPD-Umfrage

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Sie werde „nie, nie“ als Kanzlerkandidatin nach
Berlin gehen, hat Hannelore Kraft vor knapp zwei Jahren den
Sozialdemokraten in NRW geschworen. Die neue Umfrage zur personellen
Lage der SPD scheint der Ministerpräsidentin nachträglich Recht zu
geben: Denn die Unterstützung für Kraft, das zeigen die nüchternen
Zahlen, kommt zu einem Gutteil aus NRW – im Norden und vor allem im
Osten der Republik dagegen hält sich die Popularität der Genossin aus
dem Ruhrgebiet in engen Grenzen. Die Ministerpräsidentin des größten
Bundeslandes als rein regionaler Machtfaktor ohne große
bundespolitische Ambitionen. Ein Zeichen mangelnden
Selbstbewusstseins? Nicht unbedingt. Hannelore Kraft tut gut daran,
sich auf NRW zu konzentrieren. Probleme wie der Abbau der
Neuverschuldung, die Umwälzungen in der Schullandschaft oder die
absehbare anstehende Integration Zehntausender Flüchtlinge vertragen
keine Teilzeit-Regierungschefin, die stets mit einem Auge nach Berlin
schielt. Krafts Zurückhaltung ist nicht das einzige Personalproblem
der SPD. Ihr mit Abstand populärster Kopf ist Frank-Walter
Steinmeier. Als Außenminister kann er sich als Krisenmanager von Kiew
bis Kabul profilieren. Seine präsidiale Art kommt an. Dumm nur:
Steinmeier will nicht Kanzlerkandidat werden. Zudem haftet ihm der
Makel an, 2009 das schlechteste Ergebnis der SPD bei einer
Bundestagswahl überhaupt eingefahren zu haben. Also läuft wohl alles
auf Gabriel zu. In der Umfrage liegt der Parteichef bei den
SPD-Anhängern zwar deutlich hinter Steinmeier, aber auf gleicher Höhe
mit Kraft. Damit kann Gabriel leben. Es hätte schlimmer kommen können
für den Vorsitzenden, dessen wirtschaftsnaher Kurs sowie seine
Eskapaden wie das Treffen mit Pegida-Leuten so manchem in der SPD
missfallen. Gabriel muss 2017 als Herausforderer Angela Merkels
antreten und nicht erneut – wie 2013 mit Peer Steinbrück – einem
anderen den Vortritt lassen. Sonst kann er gleich als Parteichef
abtreten. Gabriel hat keine Wahl. Und die SPD auch nicht.

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Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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