WAZ: Leben mit dem Atomrisiko – Kommentar von Christopher Onkelbach zu Fukushima

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Stärke 9 hatte das Erdbeben, das den Tsunami
auslöste. Und es passierte, was offiziell unmöglich war: Die
Kühlsysteme des Atomkraftwerks versagten, es kam zur Kernschmelze,
ein ganzer Landstrich wurde verseucht, die Menschen mussten ihre
Heimat verlassen. Bis heute kämpft das Land mit den Folgen. Mit
Kosten von geschätzt 100 Milliarden Euro für die Bewältigung des
Unglücks ist das riesige Ausmaß der Katastrophe nur in Zahlen
umrissen – das Leid der Menschen ist nicht zu messen.

Was im fernen Japan geschah, verursachte in Deutschland ein
politisches Erdbeben. Aus der Atompartei CDU wurde quasi über Nacht
die Partei der Energiewende. Dieselbe Regierung, die kurz zuvor
Laufzeitverlängerungen beschlossen hatte, wollte nun so schnell wie
möglich raus aus der Technologie. Es begann ein beispielloser
energiepolitischer Umbau der Republik, der bis heute nicht
abgeschlossen ist und große wirtschaftliche Verwerfungen auslöste.
Alternativlos?

Heute blicken die Bürger Nordrhein-Westfalens mit Sorge gen
Westen. In Tihange bei Lüttich und in Doel bei Antwerpen arbeiten
belgische Uraltreaktoren, die seit Monaten im Pannentakt hoch- und
runtergefahren werden. Ein vertuschter Störfall im französischen
Atomkraftwerk Fessenheim im April 2014, der erst jetzt ans Licht kam,
gibt Befürchtungen neue Nahrung. Fukushima markiert einen Wendepunkt,
doch mit den Risiken der Atomtechnologie werden die Menschen noch
lange leben müssen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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