WAZ: Nicht die Zeit der einfachen Lösungen – Kommentar von Andreas Tyrock

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Die vergangenen Tage haben die Menschen aufgewühlt
wie selten zuvor. Der unfassbare, menschenverachtende Anschlag von
Nizza und der gescheiterte Putschversuch in der Türkei mit 265 Toten
und mehr als tausend Verletzten sorgen europaweit für Angst,
Verunsicherung und Verzweiflung.

Die Ereignisse sind Teil der politischen Großlage: der Krise in
Europa, die im Brexit-Votum gipfelte; dem Misstrauen gegenüber den
politischen Institutionen und „denen da oben“, dem Erstarken
nationalistischer Gruppen und Parteien; dem Ost-West-Konflikt, der in
Ansätzen an den Kalten Krieg erinnert; der Flüchtlingskrise und der
Angst vor Überfremdung sowie der permanenten Terrorgefahr. Was ist
los in dieser Welt? Wo soll das alles hinführen? Wo sind die Auswege?

Fragen, auf die es einfache Antworten nicht geben kann. Wenn die
Suche nach Lösungen aber so schwer fällt, ist in einem ersten Schritt
der umgekehrte Ansatz sinnvoll. Was würde denn auf keinen Fall
helfen? Protestparteien und Protestwahlen mögen dem Frust- und
Angstabbau sowie als Ventil dienen, lösen aber kein Problem. Die
Rückkehr in die Kleinstaaterei löst kein Problem. Die Schwächung oder
Abschaffung von Institutionen wie der Europäischen Union oder der
Nato, die maßgeblich zu 70 Jahren Frieden und Freiheit in Europa
beigetragen haben, löst kein Problem. Gegenseitige Schuldzuweisungen
im Kampf gegen den Terror lösen kein Problem. Kleinkariertes
Parteiengezänk löst kein Problem.

Lösungen gibt es in einer aufgewühlten, globalisierten Welt nur,
so banal es klingen mag, in der Gemeinschaft demokratischer Staaten.
Wenn dies in Europa in Gänze derzeit nicht möglich ist, muss ein
Kern-Europa vorangehen. Das gilt vor allem für die Flüchtlingskrise
und den Anti-Terror-Kampf. Die Zukunft des Westens und damit der
Deutschen liegt in einer starken, reformierten Europäischen Union und
in einer auf Verträgen und Vertrauen basierenden Nato. EU und Nato
mögen nicht perfekt sein und nicht alle Probleme lösen – ohne sie
gibt es aber gar keine Lösungen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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