WAZ: Niemand außer ihr – Kommentar von Alexander Marinos zur Umfrage

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Aus dem Merkelschen „Wir schaffen das“ ist in
breiten Teilen der Bevölkerung ja ein ängstliches „Schaffen wir das?“
geworden, nicht selten sogar ein grimmiges „Das schaffen wir nie und
nimmer!“. Doch dass es sich die Bundeskanzlerin mit vielen ihrer
früheren) Anhänger verscherzt hat, ist buchstäblich eben nur die
halbe Wahrheit. Jeder zweite von Emnid im Auftrag unserer Zeitung
Befragte ist von Angela Merkel positiv überrascht.

Das aber bedeutet: Große Teile der Bevölkerung unterstützen ihren
Kurs in der Flüchtlingspolitik. Sie finden es gut, dass Merkel, als
die Flüchtlinge in Ungarn und anderswo in höchster Not waren, nicht
wie sonst abwartete und die Situation kühl-pragmatisch analysierte,
sondern sofort beherzt reagierte. Was ist, um einmal die christliche
Perspektive einzunehmen, der wahre „Gottes-Dienst“: Scheinbar brav in
die Kirche zu gehen, um anschließend in eine
Das-Boot-ist-voll-Rhetorik zu verfallen? Oder sich ausdrücklich auf
das „C“ im Parteinamen zu berufen und entsprechend zu handeln? 50
Prozent der Menschen in Deutschland fanden das gut.

Aber: 40 Prozent sind mindestens skeptisch. Auch das gehört zur
Wahrheit. Das Land ist gespalten. Und der Beifall für Merkel kommt
aus Sicht der CDU-Strategen von der falschen Seite. Was haben Merkel
und ihre Partei davon, wenn es vor allem die Anhänger der SPD, der
Grünen und der Linkspartei sind, die Merkels Politik goutieren, ohne
deswegen schon die ganze CDU wählen zu wollen? Schon einmal gab es
einen Kanzler, der im anderen Lager Sympathiepunkte sammelte.
Trotzdem wurde Gerhard Schröder für seine Agenda 2010 im Ergebnis
abgestraft; die SPD leidet bis heute darunter. Hinzu kommt, dass die
von Merkel positiv Überraschten zunehmend erkennen, dass das damals
moralisch Gebotene die Flüchtlingskrise in Deutschland durchaus
verschärft hat. Insofern warten sie wie alle anderen darauf, (einmal
mehr) positiv überrascht zu werden: mit überzeugenden
Lösungsansätzen.

Schafft Merkel das? Keine Ahnung. Die Anschlussfrage immerhin wäre
eine rhetorische: Wer könnte es denn derzeit schaffen außer ihr?

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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