WAZ: Rüstzeug für den Unterricht – Kommentar von Tobias Blasius zur Lehrerausbildung

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Eine Reform der Lehrerausbildung ist auch ein
politisches Statement: Welche pädagogischen Weichenstellungen sind
einer Regierung wichtig, welche eher nicht. Die rot-grünen Vorschläge
sind hier von erfrischender Klarheit: Ein Studienrat muss in NRW kein
Latein mehr können, dafür den Umgang mit „Vielfalt im Klassenzimmer“
beherrschen. Er soll sonderpädagogisch versiert sein und mit Hilfe
digitaler Medien die individuelle Förderung seiner immer
unterschiedlicher begabten und leistungsfähigen Schützlinge
vorantreiben.

Wer sich in Lehrerzimmern des Landes umhört, weiß, dass solche
hehren Düsseldorfer Ideen an der Realität zerschellen.
Lehramtsausbilder sind heute froh, wenn sie dem Nachwuchs nach einem
straffen Studium im 18-monatigen Vorbereitungsdienst das nötigste
Rüstzeug für den täglichen Unterricht mitgeben können.

Wie darin „sonderpädagogische Basiskompetenzen“ und mehr Platz
finden sollen, mag man sich nicht vorstellen. Den Bedeutungsverlust
des Latinums beklagen vielleicht nur noch bildungsbürgerliche Kreise,
auch andere Bundesländer haben die tote Sprache längst ausrangiert.
Die Gefahr einer Überfrachtung des Lehrerberufs mit politischen
Wünschen aber geht alle an.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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