WAZ: Thatcher, Kohl und der Saumagen – Kommentar von Jasmin Fischer

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Die Superheldin ist tot, sagen die einen. Eine
kompromisslose Tyrannin ist gestorben, sagen die anderen. Nicht
einmal zum Lebenswerk von Margaret Thatcher, stets leidenschaftliche
Gegnerin aller Kompromisse, gibt es einen Konsens der Meinungen.
Helmut Kohls Urteil war derart harsch, dass es bis heute überliefert
ist: Thatcher sei „eiskalt“, ließ er durchsickern. Er scheue sie „wie
der Teufel das Weihwasser“. Aus der gegenseitigen Abneigung machte
auch die Eiserne Lady kein Hehl. Kohl war für sie der Inbegriff des
deutschen Tollpatsches: Er lud sie zu Pfälzer Saumagen ein und
stellte damit erst recht seine Unzivilisiertheit unter Beweis. Kein
diplomatisches „Einigen wir uns, dass wir uns nicht einigen können“,
keine kunstvoll verbrämten Meinungsunterschiede: Margaret Thatcher
blieb authentisch, stur und schrill. Sicher keine Eigenschaften, mit
denen Politiker heute Karriere machen könnten – aber eine
Authentizität, die Feinde wie Anhänger der Ex-Premierministerin in
Erinnerung halten werden. So ist es dann auch Margaret Thatchers
unverhandelbare Lebenseinstellung, die sie nun über das Politische
hinaushebt.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
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