WAZ: Warnungen in den Wind geschlagen – Kommentar von Tobias Blasius zum Fall Amri

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Die neuen Enthüllungen zum Terrorfall Amri halten
gleichermaßen eine beruhigende und eine alarmierende Botschaft
bereit. Beruhigend ist, dass die Ermittler des Landeskriminalamtes
einen ziemlich guten Job gemacht haben und die konkrete
Anschlagsgefahr durch den Tunesier sehr früh vorhergesagt haben.

Alarmierend ist dagegen, dass im NRW-Innenministerium daraufhin
nicht alle Register gezogen wurden. Die vom LKA empfohlene
Abschiebeanordnung gegen Amri wurde nie einem Gericht vorgelegt.

Noch weiß man nicht, ob es sich um fatale Behördenbequemlichkeit
handelte nach der Devise: „Haben wir noch nie gemacht, könnte ja
jeder kommen“. Oder ob man dem tödlichen Irrtum aufsaß, über den
vermeintlich kleinen Fisch Amri ließen sich die wirklich gefährlichen
Islamisten dingfest machen.

Es hat mehr als ein Geschmäckle, dass die Landesregierung dieses
offensichtliche Behördenversagen ausgerechnet von einem „neutralen
Sonderermittler“ durchleuchten lässt, der vor einem Wechsel als
Professor in den NRW-Landesdienst steht. Gerade weil im Fall Amri
viele Fragen Rätsel aufgeben, hätte ein Regierungsgutachter über
jeden Zweifel erhaben sein müssen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
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