WAZ: Was Ostern auch ausmacht. Kommentar von Lutz Heuken zu den Feiertagen

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Jetzt, zu Ostern, sind die meisten Kirchen voll. Das
hat viel mit Tradition zu tun. Und mit dem Bedürfnis nach
Gemeinschaft. Bei so manchem – natürlich – auch mit Glauben. Ostern
ist das höchste Fest der Christen, an dem man der Auferstehung Jesu
gedenkt. Doch machen wir uns nichts vor: Die Bindungskraft der
Kirchen hat trotz solcher Tage wie Ostern längst nachgelassen. Vor 50
Jahren zogen zu Karfreitag große Prozessionen durch die Straßen,
heute versammelt sich in unseren Städten allenfalls noch hier und da
eine kleine Schar von Gläubigen. Zugleich meldet der Rundfunk lange
Staus in Richtung Holland – in Venlo sind zu Karfreitag die Geschäfte
geöffnet und mit Deutschen überfüllt. Dabei täte es der Gesellschaft
gut, manchmal kollektiv innezuhalten, zu entschleunigen – ob nun aus
religiösen Motiven oder nicht. Die ständige Gier nach Unterhaltung,
nach Neuem, macht eine Gesellschaft nicht zufrieden, sondern rastlos.
Wer zu Ostern mal nicht ins Auto springt, um davonzubrausen, wer mal
nicht im Disco-Lärm untertaucht, wer sich die Zeit nimmt, mal völlig
altmodisch spazieren zu gehen und die Natur zu genießen, der spürt
etwas von dem, was Ostern früher auch ausmachte.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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