Weser-Kurier: Kommentar von Ben Zimmermann zum Staatsbesuch der Queen

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Wenn Queen Elizabeth II. in diesen Tagen
Deutschland einen Besuch abstattet, dann ist das mehr als nur ein
Thema für die Boulevardpresse. Natürlich freuen sich auch die bunten
Gazetten über die Auftritte eines gekrönten Hauptes – genauso, wie
sie den jüngsten Nachwuchs im Hause Windsor bejubelten. Doch hinter
der jetzigen Visite steckt mehr. Es geht um das Verhältnis zweier
Nationen, das – im Guten wie im Schlechten – ein besonderes war und
ist. Und es geht um Europa. Allein schon durch die Wurzeln des
Königshauses, das bis vor knapp 100 Jahren noch Sachsen-Coburg und
Gotha hieß, fühlt sich die Queen den Deutschen eng verbunden. Die
Briten, die unter anderem auch Bremen befreit hatten, waren nach dem
Zweiten Weltkrieg Besatzungsmacht und wurden später einer der engsten
Partner Deutschlands. Ohne London und Berlin geht nichts in Europa.
Doch gerade beim Thema EU fängt die Sache an, schwierig zu werden.
Denn die Briten werden bis Ende 2017 darüber abstimmen, ob sie in der
Europäischen Union bleiben wollen oder nicht. Premierminister David
Cameron versucht, seinen Landsleuten den Verbleib in der EU mit noch
auszuhandelnden Zugeständnissen Brüssels schmackhaft zu machen. Dazu
braucht er seine europäischen Partner – vor allem Deutschland. Und so
schickt er die wertvollste Werbeträgerin vor, die das Königreich zu
bieten hat: die Queen. In ihrem Schlepptau kommt auch Cameron selbst
mit nach Berlin. Die Rollenverteilung ist klar: Die Königin sammelt
die Sympathiepunkte, und der Premier kann schon einmal den
Verhandlungsspielraum ausloten. Doch auch Deutschland hat ein großes
Interesse am Verbleib der Briten in der EU. Denn ein „Brexit“ würde
die Union massiv schwächen und könnte ein Signal für andere Staaten
sein, die ebenfalls mit Brüssel hadern. Kanzlerin Angela Merkel
signalisierte bereits Entgegenkommen: Wo ein Wille ist, ist ein Weg.
Mit ihrer Charmeoffensive, so scheint es, wird die Queen nicht nur
bei ihren Fähnchen schwenkenden Fans Erfolg haben.

Pressekontakt:
Weser-Kurier
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