Weser-Kurier: Kommentar von Felix Lee zu den Protesten in Hongkong

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Die Führung der kommunistischen Partei in Peking
befürchtet, Hongkongs Proteste könnten aufs Festland überschwappen.
Zu Recht. Aus Angst, die bunten Bilder der Demokratie-Proteste in
Hongkong könnten auch die Fantasie der Unzufriedenen in der
Volksrepublik beflügeln, beschäftigen sich die chinesischen Zensoren
seit Anfang der Woche offenbar vor allem damit, sämtliche Einträge
aus den sozialen Netzwerken zu löschen, die auch nur entfernt Bezug
nehmen auf Occupy oder Regenschirme. Dabei ist die Wirkung dieser
Maßnahmen äußerst fraglich. Abgesehen davon, dass Millionen Nutzer
unzählige Wege finden, die Bilder und Kurznachrichten aus Hongkong
dennoch im chinesischen Netz zu streuen – die zentrale Botschaft hat
auch die Volksrepublik erreicht: Die kleine südchinesische
Sonderverwaltungszone lässt sich die Bevormundung durch die
Machthaber in Peking nicht länger gefallen. Bislang sind die
Hongkonger Demonstranten nicht einmal besonders radikal vorgegangen.
Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Schüler und Studierende,
die sich gegen den Pfefferspray- und Tränengaseinsatz mit nichts
anderem gewehrt haben als mit aufgespannten Regenschirmen. Doch genau
diese Bilder sind zum Symbol der Hongkonger Demokratieproteste
geworden. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking stehen
bereits Chinesen, die demonstrativ gelbe Regenschirme aufgespannt
oder sich eine gelbe Schleife angehängt haben – das Symbol für
Solidarität. Sicherlich wird in den nächsten Tagen viel davon
abhängen, wie die Führung in Peking weiter mit dem Protest umgehen
wird. Je länger sie ihn laufen lässt, desto größer wird die Gefahr,
dass sich der momentan noch friedliche Protest radikalisiert. Ein
hartes Durchgreifen könnte für Peking aber ebenso riskant werden. Der
Polizeieinsatz mit Pfefferspray am vergangenen Sonntag hat bereits
für sehr viel Empörung gesorgt und dazu beigetragen, dass sich
seitdem noch mehr Hongkonger auf die Straße setzen. Einen Etappensieg
haben die Demonstranten bereits vorzuweisen. Ihr Ruf nach mehr
Demokratie in Hongkong steht stellvertretend für die Forderung nach
einem grundlegenden politischen Wandel in ganz China. Diese Botschaft
ist angekommen – trotz Zensur.

Pressekontakt:
Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
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