Weser-Kurier: Kommentar von Joerg Helge Wagnerüber Gewaltausbrüche

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Wenn früher Disko-Besuche tödlich endeten, lag es
meistens daran, dass sich alkoholisierte Jugendliche hinters Steuer
setzten und dann mit überhöhter Geschwindigkeit gegen einen Baum oder
einen Brückenpfeiler krachten. Mit einem Mix aus Aufklärung,
stärkeren Kontrollen und Angeboten wie den „Nachtschwärmer-Bussen“
ist es gelungen, die Zahl dieser grauenhaften Unfälle zu senken. Hier
hatte Vorbeugung also noch Erfolg. Doch leider gehen die Tanz- und
Feierfreudigen seit Jahren ein neues lebensgefährliches Risiko ein:
hemmungslos eskalierende Gewaltausbrüche. Ein kleiner Rempler, ein
schiefer Blick, eine dumme Bemerkung können dazu führen, dass am Ende
der Nacht ein junges Leben ausgelöscht wird – so wie jetzt, am
Osterwochenende, in Ritterhude. Nach einem Streit wird ein
21-Jähriger auf dem Heimweg eiskalt von hinten angefahren und tödlich
verletzt – es macht einen fassungslos. Todesopfer und Schwerverletzte
hat es auch schon auf der Bremer Disko-Meile und im Viertel gegeben,
immer aus nichtigem Anlass. Die Brennpunkte sind längst bekannt; auch
die Diskothek in Ritterhude hat einen entsprechenden Ruf. Die
Reaktionen sind eher hilflos. In Bremen etwa ein nächtliches
Waffenverbot, Streetworker und Umbaupläne für die Diskomeile:
breitere Gehwege, damit es seltener zu Rempeleien kommt. Ob das Leute
beeindruckt, die sofort zuschlagen, zustechen, zutreten, wenn sie
sich „provoziert fühlen“, durch was oder wen auch immer? Wer das
Problem weiter von A nach B und von dort nach C schieben möchte,
doziert jetzt, dass Gewaltprävention eine gesamtgesellschaftliche
Aufgabe sei: Familie, Schule, Nachbarschaft, Politik – sie alle seien
in der Pflicht. Ob dem mutmaßlichen Täter von Ritterhude seine Eltern
oder Lehrer nie gesagt haben, dass man Gegner in einem Streit nicht
einfach totfahren darf? Wahrscheinlicher ist doch, dass er irgendwann
durch sämtliche Maschen der sozialen Kontrolle gerutscht ist. Die
Hemmschwelle, brutale Gewalt anzuwenden, ist ganz offensichtlich
dramatisch gesunken – nicht nur in diesem Fall. Etwa, wenn Mitglieder
verfeindeter Familienclans zu Dutzenden mit Messern,
Baseball-Schlägern und Eisenstangen aufeinander losgehen. Oder wenn
halbwüchsige Handy-Diebe Polizisten mit abgebrochenen Flaschen
attackieren. Mit welcher Form der Ansprache hofft man, solche Leute
noch zu erreichen? Wenn Vorbeugung versagt, muss diese Gesellschaft
sich schützen, indem sie Gewalttäter konsequent bekämpft. Und genau
wie sogenannte Risiko-Spiele beim Fußball die erhöhte Aufmerksamkeit
der Polizei erfahren, muss es auch bei Risiko-Orten sein. Hier zu
sparen ist fahrlässig – womöglich mit tödlichen Folgen.

Pressekontakt:
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