Weser-Kurier: Kommentar von Norbert Holst zu Morddrohungen gegen Politiker

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Hass-Mails und Drohbriefe: Politiker wie Thüringens
Ministerpräsident Bodo Ramelow werden angepöbelt und eingeschüchtert,
weil sie sich für Flüchtlinge einsetzen, gegen Neonazi-Aufmärsche
protestieren – oder einfach einen fremdländisch klingenden Namen
tragen. Solche Anfeindungen gab es immer schon. Doch die Zahl der
Vorfälle hat erschreckend zugenommen. Das hat vor allem zwei Gründe.
Politiker verschiedener Parteien irren, wenn sie meinen, die Debatte
um Flüchtlinge und Asylbewerber verlaufe heute unaufgeregter als in
den späten 80er und frühen 90er Jahren. Das mag für breite Teile
dieser Gesellschaft stimmen. Doch die Polarisierung zwischen
Befürwortern und Gegnern einer aktiven Einwanderungs- und
Integrationspolitik hat zugenommen. Und die Hemmschwelle zur
Androhung von Gewalt ist offenbar gefallen. Das hat auch mit dem
Internet zu tun. In manchen Foren sind Pöbeleien und Fäkalienbegriffe
gegen Andersdenkende an der Tagesordnung. Da ist es bis zur Anwendung
von Gewalt nicht mehr weit – wie man am ausgebrannten
Asylbewerberheim in Tröglitz sehen kann.

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