Weser-Kurier: Kommentar von Norbert Holstüber den Anschlag von Würzburg

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Nein, der Daesch-Terror ist mit der Axt-Attacke von
Würzburg nicht in Deutschland angekommen. Sie ist längst hier –
zumindest in den Köpfen einiger junger Männer. Deswegen mag auch der
Hinweis auf die angebliche Einzeltäterschaft nicht beruhigen. Im
Gegenteil: Orlando, Nizza und jetzt Würzburg zeigen, dass Daesch auch
ohne Netzwerk, Logistik und Waffenschmuggel zuschlagen kann. Es
genügt der aufgestaute Hass einzelner Fanatiker auf die westliche
Gesellschaftsform. Den Rest erledigt das Trommelfeuer aus der
Daesch-Propagandamaschinerie via Internet. Zudem ist die bittere
Lehre von Würzburg: Es nützt nichts, größere Veranstaltungen zu
meiden. Es reicht schlichtweg, zur falschen Zeit am falschen Ort zu
sein. Natürlich ist es erschreckend, dass der junge Afghane (oder
Pakistani) als Flüchtling den Weg nach Deutschland fand. Dieser
Umstand heizt die aus dem Ruder gelaufene Diskussion noch mehr an.
Doch hilft jetzt weder naive Schönfärberei, noch das Aufbauschen von
Feindbildern. Wir wissen doch schon seit den Terrorattacken von Paris
und Brüssel sowie dem verhinderten Anschlag in Düsseldorf, dass sich
Daesch-Anhänger als Flüchtlinge getarnt haben. Irritierend sind auch
die reflexartigen Rufe nach schärferen Sicherheitsmaßnahmen: mehr
Polizeibeamte, mehr Videoüberwachung, Zug-Marshalls. Glaubt jemand
allen Ernstes, ein zu allem entschlossener Islamist lässt sich durch
eine Videokamera von seinem mörderischen Plan abbringen? Wer unter
dem Eindruck der jüngsten Anschläge nach der harten Hand des Staates
ruft, der legt am Ende die Axt an die Freiheit.

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