Weser-Kurier: Kommentar von Norbert Holstüber Tsipras und Putin

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Mit seiner Aufwartung bei Wladimir Putin sucht
Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras einen neuen Verbündeten.
Das ist sein gutes Recht. Ob der Flirt mit dem russischen Präsidenten
allerdings auf lange Sicht klug ist, steht auf einem anderen Blatt.
In Brüssel, Paris und Berlin ist die Reise als das angekommen, was
sie sein soll: eine Drohgebärde, eine Provokation. Doch mit dem Trip
tut Tsipras weder sich noch seinem Land einen Gefallen. Öffentlich
die EU-Sanktionen gegen Russland zu kritisieren und Putin um eine
Lockerung des Lebensmittel-Embargos anzubetteln – das ist nicht die
feine diplomatische Art. So kann gemeinsame europäische Außenpolitik
nicht funktionieren. Klar, in der EU liegen die Interessen der
Mitgliedsländer oft weit auseinander. Da wird gepokert und
gefeilscht, am Ende steht nicht selten ein fauler Kompromiss. Doch
der wird dann von allen Unionsländern mitgetragen. Nun gehen die
Griechen von dieser Linie ab. Das schafft nicht gerade das Vertrauen,
das die Regierung in Athen so bitter nötig hat. Freuen kann sich
Putin. Es ist ihm gelungen, einen Keil, jedenfalls einen kleinen, in
die EU zu treiben. Dabei hat Tsipras mit seinem neuen Freund
angeblich gar nicht über Finanzhilfen gesprochen. Er kommt mit wenig
Greifbarem zurück: Vielleicht gibt es ein paar Rubel-Kredite für
Entwicklungsprojekte. Vielleicht darf sich Griechenland irgendwann an
der geplanten russischen Gas-Pipeline Turkish Stream beteiligen. In
ihrer aktuellen Notlage hilft das den Griechen nicht weiter. Wie
schon die aus der Mottenkiste geholten Reparationsforderungen an
Deutschland ist Tsipras– Moskau-Reise vor allem ein Signal für die
eigenen Landsleute. Die da in Brüssel und Berlin mal so richtig zu
ärgern, kommt bei vielen Griechen gut an. Der Regierungschef kann es
sich leisten, er weiß: Am Ende gibt es frische Euro-Milliarden im
Gegenzug für außenpolitisches Wohlverhalten – trotz Provokation und
Drohgebärde.

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