Weser-Kurier: Leitartikel von Christian Wethüber Wohnen in Bremen

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Bremen baut, so schnell Bremen eben seit Jahren
baut. Doch das ist nicht schnell genug. Das sagen
Wohnungsmarktforscher, das besagen Studien. Seit Jahren schon. Jetzt
wieder. Im Bericht für 2015 hat ein Beratungsinstitut erneut
festgestellt, dass die Stadt mehr Tempo machen muss, wenn sie die
Schere zwischen Wohnungsangebot und -nachfrage nicht noch größer
werden lassen will. Nach einem aktuellen Städtevergleich hat Bremen
im vergangenen Jahr zwar knapp 1200 neue Wohnungen gebaut, erreicht
aber trotzdem nur einen der hinteren Plätze auf der Liste. Rang elf
von 13. Und das Problem verschärft sich. Längst sind es nicht mehr
nur Singles, die vergeblich nach einer Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnung
Ausschau halten. Oder Familien nach bezahlbaren Häusern
beziehungsweise Doppelhaushälften, die dann irgendwann die Suche nach
den eigenen vier Wänden in der Stadt aufgeben und aufs Land ziehen.
Jetzt fehlt auch Wohnraum für immer mehr Flüchtlinge, die nach Bremen
kommen. Für eine steigende Zahl an Studenten, die an der
Exzellenz-Uni studieren wollen. Und es gibt, weil es offensichtlich
keine andere gibt, immer mehr Notlösungen. Vor allem für die Menschen
aus Kriegs- und Krisenregionen. Die Lage hat sich so zugespitzt, dass
Wohnen zum Themenfeld Nummer eins für den Senat werden müsste.
Eigentlich. Die Realität sieht anders aus. Statt so viele
Baugrundstücke auszuweisen und neue Areale zu erschließen, wie es das
Wohnungsbauprogramm der kommenden Jahre vorrechnet, zeigt sich
Rot-Grün zerstritten. Rot schlägt Gebiete vor, Grün lehnt sie ab.
Jetzt will die SPD, dass die Grünen eine Liste vorlegen, wo denn
dann, wenn nicht dort, neue Quartiere entstehen sollen. Und wieder
geht Zeit verloren, die Bremen nicht hat. Die Stadt hat schon zu
viele Jahre verstreichen lassen, ohne dass wirklich neue Wege
beschritten wurden. Etwa bei den Baugruppen, die andere Städte längst
als feste Größe entdeckt haben, den Wohnungsbau zu beschleunigen. Ein
„Weiter so“ in der Politik will Bürgermeister Carsten Sieling nicht.
Das muss jetzt vor allem für die Wohnungspolitik gelten.

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