Weser-Kurier: Leitartikel von Moritz Döbler über den Bremer Bahnhofsplatz

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Seit der Watergate-Affäre vor gut vier Jahrzehnten
hängen auch die Deutschen Skandalen und Skandälchen gerne die Silbe
-gate an. Die Barschel-Affäre wurde zu Waterkantgate, anzügliche
Bemerkungen eines FDP-Politikers zum Dirndlgate. So gesehen war es
nicht die beste Wahl, eines der umstrittensten Bauprojekte Bremens
City-Gate zu nennen. Zu spät: Das Doppelgebäude auf dem Bahnhofsplatz
wird jetzt tatsächlich errichtet, am Mittwoch steht der symbolische
Spatenstich an. Der anglisierte Werbebegriff verweist auf die Lage:
City-Gate, das Tor zur Stadt. Dabei stimmt das weder historisch noch
architektonisch. Die mittelalterlichen Stadttore lagen weiter
südlich, und die Sichtachse zur City werden die neuen Gebäude
blockieren. Doch diese Debatte ist müßig, City-Gate wird gebaut. Der
Entwurf des Architekten Max Dudler ist durchaus anspruchsvoll, das
kann ganz schön werden. Auch die Mieter sind weitgehend gefunden; ob
es in dieser Gegend wirklich zwei weitere Hotels braucht, wird sich
zeigen müssen. Der Bahnhofsplatz als Ort wird aber nur funktionieren,
wenn ihn nicht Schnorrer, Säufer und Kleinkriminelle prägen. Carsten
Sielings Griff zum Spaten ist insofern auch ein Versprechen. Das Foto
der Feierstunde kann ihn einholen, wenn er es nicht einlöst – und
erst recht, wenn das Projekt doch noch schiefgehen sollte. Der Name
City-Gate – der würde dann aber passen.

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