Weser-Kurier: Leitartikel von Silke Hellwigüber den Wandel der CDU

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Es ist selten etwas dagegen einzuwenden, wenn
jemand meint, sich weiterentwickeln zu müssen. Das gilt auch für
Parteien. Und verändern müssen sie sich, so viel steht fest, denn sie
schrumpfen eher als dass sie wachsen. Die CDU will „jünger, moderner
und weiblicher“ werden. Im Umkehrschluss heißt das, dass sie derzeit
– zumindest in Teilen – älter, konservativer und männlicher ist. Das
klingt nicht gerade nach einem Werbeslogan, gehört aber zu dem
Profil, das bisher allerhand Wähler gebunden hat. Und überhaupt: Was
ist das eigentlich – modern? Eine „CDUplus“-App und das Zwitschern
von Kommentaren vom Sofa aus in CDU-Veranstaltungen hinein? Was die
CDU auf Bundesebene anstrebt, proklamiert sie in Bremen schon lange.
Nach jeder Wahl, bei der ihr Stimmen abhandenkamen, also konstant von
1999 bis 2011, nahm sie sich vor, sich zu öffnen, jünger,
internationaler, attraktiver und weiblicher zu werden. Man kann
sagen, dass Lencke Steiner personifiziert, was der CDU vorschwebt.
Nur: Steiner ist als Liberale schlicht nicht zu haben. Also kürte die
„moderne Großstadtpartei“ Elisabeth Motschmann zur Spitzenkandidatin
und gewann im Mai erstmals wieder Prozentpunkte hinzu. Das könnte der
bremischen Union zu denken geben. Nun ist nicht alles schlecht an der
geplanten Reform: Die Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder sollen
gestärkt werden. Dazu ist es höchste Zeit, mag man ketzerisch
anmerken, weil ihre Zahl die der zu vergebenden Funktionen noch
übersteigt. Doch das gilt bekanntlich auch für andere Parteien.
Ansonsten will die CDU – wie alle Parteien – für sich werben, für
sich gewinnen und für sich begeistern. Irgendwie. Im Dezember soll
der Bundesparteitag verabschieden, worum sich die Partei im Grunde
schon lange bemüht. Selbst wenn jetzt richtig Ernst gemacht werden
soll – im Laufe des Wandlungsprozesses werden alte Mitglieder und
Wähler ihre politische Heimat verlieren, neue sich in ihr noch nicht
wohl fühlen. Will sich die CDU tatsächlich umkrempeln, riskiert sie
viel. „Meine CDU 2017“ mag zwar nicht mehr halten, was sie einst
versprochen hat, aber sie darf auch nichts versprechen, was sie nicht
halten kann.

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