Weser-Kurier: Leitartikel von Stefan Lakebandüber Löhne in Bremen

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Es sind Zahlen, auf denen man sich ausruhen könnte.
Vollzeitbeschäftigte im Land Bremen sind Spitzenverdiener. Nur in
Hamburg, Hessen und Baden-Württemberg gibt es mehr Geld. Warum also
sollte man sich Sorgen machen? Wenn es den Bürgern gut geht, muss es
doch auch der Stadt gut gehen. Die Antwort ist so einfach wie
ernüchternd: weil die Realität anders aussieht. Ja, viele Bremer
verdienen gut. Aber es gibt es auch viele, bei denen es ganz anders
aussieht. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Im Dezember lag die Quote
bei 10,6 Prozent im Land Bremen – wie auch schon einen Monat zuvor.
In fast allen Bundesländern sieht es da besser aus. Sie haben immer
weniger Arbeitslose. Und hier zeigt sich das wahre Problem. Denn so
lange die Arbeitslosigkeit für so ein kleines Bundesland so ein
großes Problem ist, nützt es auch nichts, wenn manche Beschäftigte
viel Geld verdienen. Wenn jeder Arbeitnehmer 100 Euro weniger
bekommen würde, dafür aber mehr Menschen arbeiten würden, ginge es
Bremen wahrscheinlich besser als jetzt. Schließlich würden mehr
Steuern gezahlt werden, und es müssten weniger Arbeitslose durch
teure Umschulungen, Fortbildungen oder andere Maßnahmen vermittelt
werden. Auch das schont den Haushalt. In der Zukunft dürfte sich
dieses Problem aber noch verschärfen. Wenn Experten sagen, dass
Bildung der beste Weg zu einem Job ist, haben sie zweifelsohne Recht.
Nur: In Bremen kommen etliche Jugendliche schon früh von diesem Weg
ab. Die Zahl der Schulabbrecher liegt deutlich über sieben Prozent
und damit – mal wieder – über dem Bundesdurchschnitt. Werden diese
Jugendlichen irgendwann zu den Spitzenverdienern der Bremer
Wirtschaft gehören? Unwahrscheinlich. Leider. Deswegen dürfen sich
weder Wirtschaft und Politik noch sonst jemand von dieser Statistik
blenden lassen. Schon jetzt profitiert längst nicht jeder von den
hohen Löhnen in Bremen. Und wenn nicht etwas passiert, werden es
künftig immer weniger, die als gut bezahlte Fachkräfte in der
Statistik auftauchen.

Pressekontakt:
Weser-Kurier
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