Weser-Kurier:Über die Quote in der SPD schreibt Joerg Helge Wagner:

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Natürlich sind Quoten manchmal auch sinnvoll. Etwa,
wenn sie Teilhabe garantieren – dadurch, dass bestimmte Gruppen der
Bevölkerung angemessen in jenen Gremien vertreten sind, die gewisse
Lebensbereiche beeinflussen. Rundfunkräte von öffentlich-rechtlichen
Sendern sind entsprechend fein austariert, und das ist auch gut so.
Ob eine Frauenquote in Aufsichtsräten großer Unternehmen nötig ist,
hat der Zeitgeist beantwortet – ob sie die Firmen auch wirklich
voranbringt, zeigen dann alleine die Bilanzen und Börsenkurse. Die
SPD hängt diesbezüglich gerade zwischen Sendeanstalt und Dax-Konzern.
Selbstredend muss sie als große Volkspartei mit ein paar
Hunderttausend Mitgliedern darauf achten, dass Nord, Süd, Ost und
West, Frauen und Männer, Akademiker und Facharbeiter, Gewerkschafter
und Selbstständige sich auch an der Parteispitze wiederfinden.
Andererseits gewinnt man Wahlen nur mit den richtigen Leuten auf dem
richtigen Posten: Beim Machtwechsel 1998 etwa ergänzten sich
Spitzenkandidat Gerhard Schröder und sein Wahlkampfmanager Matthias
Machnig – Erfinder der legendären Kampa – mit traumwandlerischer
Sicherheit. Sie siegten eher als Gefährten denn als Genossen. Ob das
2017 beim Duo Gabriel/Barley ähnlich läuft, darf man bezweifeln.
Statt der zweifellos klugen Juristin hätte der Parteichef lieber
jemanden an seiner Seite, der auch Attacke kann. Klar, solche
Genossinnen gibt es auch: Andrea Nahles, Hannelore Kraft, selbst
Manuela Schwesig. Nur: Die stehen ja allesamt längst ganz oben; bei
Gabriels Stellvertretern herrscht eine 50-prozentige Frauenquote.
Doch was in Gremien funktioniert, wird zur Falle, wenn es um
einzelne, extrem wichtige Posten geht. Bis Ende 1999 gab es bei der
SPD gar keine „Generäle“, sondern nur Bundesgeschäftsführer. Die
waren bis auf Anke Fuchs allesamt männlich und zumeist so mächtig,
dass sie den Laden auch unter schwachen Vorsitzenden zusammenhielten:
Wischnewski, Bahr, Glotz, Verheugen, Müntefering… Einen
Generalsekretär von diesem Kaliber braucht die 25-Prozent-SPD von
heute mehr denn je – die Quote ist reiner Luxus.

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