Weser-Kurier:Über Kulturvernichtung schreibt Joerg Helge Wagner:

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Grabmale zeigen, was von Menschen nach deren Tod
bleibt, was erinnerungswürdig ist und vielleicht zu Lebzeiten
bewundernswert war. Gräber zu zerstören ist ultimativer
Vernichtungswille: Hier soll nicht bloß Leben ausgelöscht werden,
sondern auch jede Spur davon. Deshalb kippen Nazis jüdische
Grabsteine um, deshalb wüten Fanatiker jeglicher Couleur gegen
Kulturschätze. Werden nicht nur Mausoleen, sondern auch Tempel und
Gotteshäuser zerstört, dann soll eine Glaubensrichtung vernichtet
werden. Das Ganze hat Tradition. Schon im alten Ägypten ließen
Pharaonen die Standbilder ungeliebter Vorgänger stürzen oder
zumindest deren Gesichter wegmeißeln. Aber dass Derartiges auch in
sogenannten Hochkulturen vorkam, macht es nicht weniger barbarisch.
Die aktuellen Bilderstürmer unterscheiden sich von jenen der Antike
bloß darin, dass sie selbst rein gar nichts Neues schaffen: Ansar
Dine, Al-Kaida und Daesch werden allenfalls die Videos ihrer
Zerstörungsorgien und Morde hinterlassen. Und Gerichtsakten. Das ist
sogar tröstlich, denn spätestens seit dem Prozessauftakt gegen Ahmad
al-Faqi al-Mahdi ist weltweit klar: Die Zerstörung von Kulturgut wird
als Kriegsverbrechen geahndet. Deshalb steht der Araber, der
maßgeblich an der Vernichtung von muslimischen (!) Sakralbauten in
der malischen Wüstenstadt Timbuktu beteiligt war, vor dem
Internationalen Strafgerichtshof. Der Angeklagte ist geständig und
reuig. Das muss sich mildernd auf seine Strafe auswirken. Der Schaden
ist zum Glück teilweise reparabel – anders als bei den Buddha-Statuen
im afghanischen Bamiyan oder der Babri-Moschee im nordindischen
Ayodhya. Oder Dutzenden Moscheen und Kirchen, die in den
Balkan-Kriegen absichtlich zerstört wurden. Die Liste dieser
Verbrechen ist lang und keineswegs auf Islamisten beschränkt.
Entsprechend lang sollte die Liste der Täter sein, die sich als
Angeklagte in Den Haag zu verantworten haben. Das Welterbe der
Menschheit muss aktiv verteidigt werden.

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